4 Fakten über Selbstständigkeit, für mein jüngeres Gründer-Ich
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4 Fakten über meine Selbstständigkeit, die ich meinem jüngeren Gründer-Ich gerne geben würde

4 Fakten über meine Selbstständigkeit, die ich gerne meinem Gründer-Ich geben würde

Hast du eigentlich gewusst, dass ich mit meiner ersten Selbstständigkeit gescheitert bin? Nach meinem Design-Studium hab ich mich hochmotiviert, aber ohne jeden Plan, selbstständig gemacht. Und dann ist passiert, was fast schon zu erwarten war: Keine Aufträge, kein Geld, kein Business – so einfach kann ich das Ganze rückblickend auf den Punkt bringen.

Beim zweiten Mal war ich besser vorbereitet. Ich hatte ein paar Jahre Agenturerfahrung hinter mir und ein klareres Bild davon, was es heißt „selbstständige Designerin“ zu sein. Das ist jetzt sechs Jahre her.

Trotzdem gibt es so viele Sachen, die ich erst im Laufe meiner zweiten Selbstständigkeit gelernt habe. Leider nicht immer auf die angenehme Art:

  • durch völlig falsch kalkulierte Projekte
  • mit unfassbar vielen erfolglosen Freelancer-Bewerbungen bei den unterschiedlichsten Design-Agenturen
  • die Panik, wenn keine neuen Aufträge reinkommen (und die Miete fällig wird)
  • die Überforderung, wenn mal wieder alle Design-Projekte gleichzeitig fertig werden müssen
  • Frustration, weil irgendwie gar nichts mehr funktionieren will
  • … um nur mal eine kleine Auswahl zu nennen

Heute gehe ich sehr viel entspannter mit meiner Selbstständigkeit und den Herausforderungen um, die damit verbunden sind. Teilweise, weil ich mich auf meine Erfahrungen berufen kann, teilweise weil ich inzwischen gelernt habe, was ich machen muss, wenn mal wieder nichts geht.

Selbstständig sein ist viel einfacher, wenn du diese 4 Dinge weißt

„Wenn ich das nur früher gewusst hätte…“ Es gibt so vieles was ich gerne früher gewusst hätte, vieles das mir das Leben einfacher gemacht hätte. Wenn ich zurück gucke, dann fallen mir vor allem diese vier Fakten ein, die ich meinem früheren Gründer-Ich gerne geben würde.

#1 – Ein Portfolio ist noch lange kein Business

Was war das allererste, was ich nach meiner ersten Gründung gemacht habe?

Richtig, ich hab mein Portfolio auf Hochglanz gebracht. Stunden um Stunden habe ich meine Arbeitsproben ein paar Millimeter nach links oder rechts ausgerichtet und an den Untertiteln rumgefeilt.

Was hat es mir gebracht?
Nichts!

Und warum nicht? Weil das Portfolio eben kein Business ist. Das kann man drehen und wenden wie man will, an dem Fakt lässt sich nicht rütteln.

Keine Frage, die Arbeitsproben sind für jeden selbstständigen Designer wichtig. Aber wenn es darum geht eine Selbstständigkeit aufzubauen, dann ist das Aufpolieren der Arbeitsproben etwa Schritt 98 von 100. Davor kommen solche Kleinigkeiten wie die Businessidee, das Marketing, die Positionierung, der Blog, die Social Media-Kanäle, der Wunschkunde, der Designschwerpunkt, Netzwerken, Kontaktaufbau, einen Stundensatz festlegen, Akquise, …

Gesetzt den Fall, dass ein Kunde mich wirklich angerufen hätte, weil er mein Hochglanz-Portfolio so toll findet, was hätte ich ihm dann sagen sollen?
„Was kostet die Illustration?“ – Keine Ahnung?
„Was ist Ihr Designschwerpunkt?“ – Keine Ahnung??
„Wie verläuft die Zusammenarbeit mit Ihnen?“ – Kein Ahnung???

Ganz ehrlich, wieso sollte ein Kunde mit so einem unvorbereiteten Designer zusammenarbeiten wollen?

Mein Tipp:
Wenn du dich als Designer selbstständig machen willst, dann brauchst du ein Portfolio, das zeigt was du kannst. Aber es reicht völlig, wenn du am Anfang ein einfache, kleine Website hast, auf der du deine 5-6 allerbesten Arbeiten zeigst. Für Feinheiten und Perfektionismus ist auch später noch Zeit.

Kümmere dich lieber darum dein Business richtig aufzubauen, Kontakte herzustellen und Auftraggeber zu finden. Das bringt dich schneller und besser voran!

#2 – Der Unterschied zwischen Hobby und Business passiert in deinem Kopf

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit ändert sich für dich ganz viel. Plötzlich ist das was du so gerne machst kein Hobby mehr, sondern deine Arbeit. Wie cool! Jemand bezahlt dich dafür, dass du Sachen machst, die dir Spaß machen.

Klingt doch super.

In der Realität läuft es aber oft ganz anders.

Freunde und Bekannte verstehen nicht, warum sie plötzlich Geld bezahlen sollen für Sachen („Kannst du mal eben schnell nen Flyer für den Sportverein machen?“), die du sonst immer kostenlos gemacht hast. Und dir fällt es schwer ein Preisschild an Dinge zu machen, die dir ja Spaß bringen. Also nimmst du zu wenig oder gar kein Geld für deine Leistungen und verdienst mit deinem Design-Business einfach nicht genug Geld.

Eine Selbstständigkeit wird nicht dadurch erfolgreich, dass du 40 Stunden die Woche daran arbeitest. Sie wird dann erfolgreich, wenn du damit tatsächlich auch Geld verdienst. Denn das ist der Unterschied zwischen einem Vollzeit-Hobby und einem Vollzeit-Business.

Einnahmen und Ausgaben, Kosten und Nutzen, Marketing und Positionierung
– das alles sind Begriffe mit denen du dich als Unternehmer auseinandersetzen musst.

Das klingt dir jetzt zu sehr nach BWL und zu wenig nach kreativem Design?

Das mag stimmen, aber Fakt ist, dass deine Selbstständigkeit dich und dein Leben finanzieren muss. Und das geht nur, wenn du im Kopf eine klare Trennung zwischen Hobby und Business machst. Erst wenn du verinnerlicht hast, dass deine Leistung „ihr Geld wert“ ist und „ihren Preis hat“, wirst du dir auch ein erfolgreiches Design-Business aufbauen.

Mein Tipp:
Tolle Designs machen Produkte und Dienstleistungen besser und schöner. Du(!) machst sie besser und schöner. Das bedeutet, dass deine Auftraggeber durch deine Leistung schneller und erfolgreicher an ihr Ziel kommen. Somit erwirtschaftest du einen klaren Mehrwert für deinen Auftraggeber und dieser muss entsprechend bezahlt werden.

Halte dir das immer vor Augen und verankere das fest in deinem Kopf: Du hast ein professionelles Design-Business, kein ausgefallenes Hobby! Dann ändert sich auch dein ganzes Denken und Auftreten und du wirst als der professionelle Unternehmer wahrgenommen, der du bist.

#3 – Spezialisten kommen weiter – Generalisten nicht

„Wer alles kann, kann gar nichts richtig“, heißt es immer. Ob das jetzt stimmt oder nicht, sei noch mal dahingestellt. Fakt ist aber, dass ein „Design-Bauchladen“ langfristig nicht funktioniert.

Schon während meines Studiums hab ich festgestellt, dass ich dem Gestalten von Logos nicht so viel abgewinnen kann. Es gab andere Designbereiche, die mir deutlich mehr Freunde gebracht haben. Und trotzdem bin ich später nie auf die Idee gekommen Logo-Aufträge abzulehnen, wenn ich eine entsprechende Anfrage bekommen habe. Ich habe jeden Designauftrag angenommen, unabhängig davon ob sie zu meinen Lieblingsbereichen gepasst haben oder nicht. Die Kunden waren mit meiner Arbeit zufrieden, dass war nie das Problem, aber mich hat diese Arbeit nicht glücklich gemacht. Nicht beim ersten Logodesign und auch nicht beim zehnten.

Irgendwann habe ich dann für mich festgelegt, dass damit Schluss sein muss. Ich wollte keine frustrierenden, zähen und unpassende Projekte mehr umsetzen, die mich nicht voranbringen.

Zunächst hatte ich Befürchtungen, dass ich durch die Spezialisierung, also die Reduzierung meiner Leistungen, Aufträgen und Einnahmen verlieren würde. Statt dessen ist genau das Gegenteil passiert. Seit ich mich auf Infografiken und Visualisierungen spezialisiert habe, bekomme ich mehr Aufträge, setze spannendere Projekte um und werde besser bezahlt. Rückblickend stelle ich mir die Frage, warum ich das nicht schon viel früher gemacht habe.

Mein Tipp:
Spezialisiere dich so schnell und so genau wie möglich. Mach dir genau klar welche Designs du für welche Art von Kunden umsetzen willst. Richte deinen Außenauftritt, dein Marketing und all deine Aktionen auf deinen Schwerpunkt aus. Habe auch keine Scheu davor unpassende Projekte abzulehnen.

Dann finden dich nicht nur die perfekt passenden Auftraggeber, sondern du wirst kreativer, zufriedener und erfolgreicher werden, als du es als Generalist hättest sein können.

#4 – Hör auf es alleine zu versuchen!

Selbstständige Designer arbeiten in der Regel alleine oder auch für einzelne Projekte in kleinen, offenen Gruppen.

Auf der einen Seite ist das sehr schön, weil du ungestört Hörbücher hören kannst, sich niemand am Kaffeegeschlürfe stört und du auch sonst alles tun und lassen kannst, was du willst.

Auf der anderen Seite bedeutet es aber auch, dass du alles alleine machen musst. Das betrifft nicht nur das eigentliche Gestalten von Designs, sondern auch alle anderen Belange, die eine Selbstständigkeit so mit sich bringt.

Wie organisiere ich meine Social Media-Aktivitäten? Warum geht dieses oder jenes Tool nicht mehr und wie zum Kuckuck bekomme ich es hin, dass ich trotz all der Arbeit auf dem Laufenden bleibe? Natürlich kannst du dir alles Notwendige selbst aneignen und wenn du der Typ dafür bist, dann macht es dir auch nichts aus ständig alleine zu sein.

Aber glaube mir, du machst es dir unnötig schwer!

Du bist Designer, also konzentriere dich auf das was du gut kannst. Für alles andere kannst du dir Hilfe holen. Geh zu Barcamps, zu Meetups oder triff dich mit Selbstständigen aus anderen Bereichen auf einen Kaffee. Wenn du lieber online Hilfe suchst, kannst du beispielsweise mit passenden Facebook-Gruppen schnell und effektiv deine Probleme lösen. Nach meiner Erfahrung sind Selbstständige untereinander sehr hilfsbereit. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen, von dem dann alle profitieren.

Du hast eine Frage zu deinem OnPage-SEO? Ein (virtuell) befreundeter SEO hat ein Designproblem? Großartig! Tauscht euch aus und profitiert so von eurem gegenseitigen Expertenwissen. Das geht hundert mal schneller, als wenn du versuchst das Ganze alleine zu recherchieren.

Mein Tipp:
Sitz nicht den ganzen Tag alleine an deinem Schreibtisch. Geh auf andere Selbstständige zu, verabrede dich regelmäßig mit Gleichgesinnten und tausch dich aus. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob ihr auch in der gleichen Branche tätig seid.

Ich finde, das es manchmal sogar viel spannender sich mit jemandem auszutauschen, der einen ganz anderen Blick auf die Dinge hat. Denn gerade für kreative Selbstständige sind neuer Input und der frische Ideenaustausch enorm wichtig. Wie sonst willst du neue Designs und Konzepte entwickeln?

Welche Erfahrungen würdest du dir am liebsten mit auf den Weg geben, wenn du könntest? Oder was würdest du anders machen, wenn du noch einmal gründest?
Lass uns zusammen eine Liste erstellen, von der wir dann alle profitieren!

Autor:

Hi, ich bin Gudrun und freiberufliche Designerin. Im "bilderbuero" bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf "Achtung Designer".

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Gudrun,
    vielen Dank für deinen informativen Artikel. Ich habe ihn mit sehr großem Interesse gelesen und kann den ein oder anderen Punkt, auch als Nichtselbstständige, nur unterstreichen.

    Gruß
    Steffi

    Antworten

    • Hallo Steffi,
      dankeschön, dass freut mich.
      Viele Grüße,
      Gudrun

      Antworten

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