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9 Wahrheiten über den richtigen Preis für deine Designs

9 Wahrheiten über den richtigen Preis - Illustration © Gudrun Wegener

Zu Beginn fällt ein einem besonders schwer, später wird es leichter aber einfach ist es nie: die Preisfindung!

Was kostet Design? Wieviel darf Design kosten? Und kalkulierst du deine Preise richtig? Nicht nur für Freelancer und kleine Design-Agenturen ist das ein kompliziertes Thema.

Setzt du den Preis zu hoch an, verlierst du möglicherweise den Auftrag. Kalkulierst du zu niedrig, bekommst du vielleicht den Auftrag, aber es bleibt am Ende nicht genug Geld übrig. Also woran sollst du dich orientieren?

Schauen wir uns mal die offiziellen Empfehlungen an:

  • Der AGD hat im November 2015 einen neuen Vergütungstarifvertrag für Design* veröffentlicht und empfiehlt darin eine Stundensatz von 90,00 Euro.
  • Die Page Online stellt in diesem Artikel über Preisgestaltung fest, dass Freelancer erst ab 80,00 Euro/Stunde kostendeckend und konkurrenzfähig kalkulieren.
  • Die Illustratoren Organisation geht in dieser Aufstellung von einem Mindestsatz von 60,00 Euro/Stunde aus.

Aber reicht das Wissen um diese Stundensätze schon aus, damit du dich mit deiner Preiskalkulation wohlfühlst und sie auch gut deinen Kunden gegenüber vertreten kannst? In den meisten Fällen nicht.

Der richtige Preis ist ein Mythos, denn die Wahrheit ist …

Schauen wir doch zusammen, was hinter dem Mythos „Preisfindung“ steckt und wieviel Wahres an den gängigen Meinungen dran ist.

#1 – Den richtigen Preis gibt es nicht

Verabschiede dich gleich von dem Gedanken, dass es sowas wie einen „richtigen Preis“ überhaupt gibt. Es gibt auch keine Formel und kein Patentrezept für die Preisgestaltung. Jeder Designer kalkuliert ein wenig anders und greift dabei auf die eigenen Erfahrungen und Kenntnisse zurück. Sogar jedes Projekt verläuft anders und muss darum anders berechnet und kalkuliert werden. Design ist individuell – sein Preis auch.

#2 – Die Preisfindung gehört zur Selbstständigkeit dazu

Natürlich wäre es schön, wenn du deine ganze Zeit mit dem Zeichnen, Entwerfen und Gestalten verbringen könntest. Aber Tatsache ist, dass zu jeder Selbstständigkeit auch die Preiskalkulation gehört. Immerhin willst du von deiner Arbeit leben. Und je intensiver du dich jetzt mit dem Thema auseinandersetzt, desto leichter fällt es dir beim Nächsten mal.

#3 – Festpreise und Projektpreise haben beide Vor- und Nachteile

Ob du nun lieber mit Festpreisen arbeitest oder für jeden Auftrag ein individuelles Angebot erstellst, ist vor allem Geschmackssache. Beide Preismodelle haben Vor- und Nachteile. Festpreise sparen Zeit und alle Beteiligten wissen was sie erwartet, aber das lohnt sich nur dann, wenn deine Designleistungen immer sehr ähnlich sind. Projektpreise musst du jedes mal neu berechnen und das kostet dich Zeit. Dafür kannst du aber auch auf jedes Projekt und jeden Kunden passend reagieren und den richtigen Preis festlegen.

#4 – Du bist sowieso zu teuer oder zu billig

Mein Aha-Erlebnis zu diesem Thema hatte ich, als ich für zwei unterschiedliche Kunden, mit vergleichbarer Anfrage, jeweils das gleiche Angebot gemacht habe. Der eine fand meinen Preis zu günstig, der andere hat mir gesagt, dass mein Angebot ja wohl im Vergleich viel zu teuer sei. Und das obwohl die kalkulierte Summe völlig identisch war. Du brauchst also auf keinen Fall darauf zu warten, dass ein Kunde dir sagt: „Genau mit dem Preis hab ich gerechnet.“ Das passiert (fast) nie.

#5 – Fehler gehören zum Geschäft

Jeder Designer, wirklich jeder, hat schon mal ein Projekt falsch kalkuliert und darum Miese gemacht. Es ist einfach so. Ein neuer Kunde ist doch viel komplizierter, als du gedacht hast oder ein Design, dass sich dann doch als sehr viel kniffliger herausstellt, als geplant und schon sammeln sich die Arbeitsstunden und dein Gewinn rutscht in den Keller. Das macht aber nichts, weil solche Fehler wichtig sind und du beim nächsten mal garantiert mehr Zeit einkalkulierst.

#6 – Dein Preis bestimmt auch, wie Kunden dich wahrnehmen

Wenn etwas teuer ist, dann nehmen wir Menschen an, dass es auch hochwertig ist. Ist etwas billig, dann empfinden wir es oft auch als minderwertig. Ob das tatsächliche Produkt mit unserer Einschätzung übereinstimmt, stellen wir ja erst nach dem Kauf fest. Für Designleistungen gilt das Gleiche.
Zusätzlich beeinflusst der Preis auch, wie der Kunde über unser Design-Business denkt. Wenn ich meine Leistung schon nicht wertschätze und nur so wenig Geld für ein Design nehme, warum sollte er dann meine Arbeit als hochwertig einschätzen?

#7 – Manchmal ist es gut, den Job nicht zu bekommen

Gerade zu Beginn ist es bitter, wenn du den gewünschten Auftrag nicht bekommst. Wenn dir die laufenden Kosten über den Kopf wachsen, fällt es schwer souverän an den eigene Preisen festzuhalten. Schnell kommen dann Gedanken wie: „Vielleicht hätte ich den Job ja bekommen, wenn ich nur ein bisschen billiger gewesen wäre …“

Aber mach dich nicht verrückt. Ein gut bezahlter Job für den richtigen Kunden, macht zwei schlecht bezahlte Aufträge wett. Du hast nur eine begrenzte Anzahl von Stunden die du arbeiten kannst, um so wichtiger ist es da die richtigen Projekte anzupacken. Oft ist es im Nachhinein besser, dass du den ursprünglichen Job nicht bekommen hast.

#8 – Dein Preis hilft dir unpassende Kunden auszusortieren

Nach meiner Erfahrung gibt es zwei Arten von Kunden. Die einen haben ein ganz konkretes Ziel, wissen was sie wollen, sind schnell bei Feedback und Nachfragen – kurz, sie wissen den Wert und die Qualität deiner Arbeit zu schätzen. Für die anderen gilt das leider oft nicht: Entwürfe werden ständig geändert, Absprachen nicht eingehalten, Preise werden nachverhandelt („Was?! Ein Logo bekomme ich doch schon für 50,00 Euro…“) und auch darüber hinaus ist die ganze Zusammenarbeit schwierig oder unprofessionell.
Wer deine Arbeit nicht wertschätzt, ist oft auch auf der Suche nach einer möglichst billigen Umsetzung. Indem du deine Designs realistisch und angemessen kalkulierst, sortierst du automatsch Kunden aus, die nicht zu dir und deinen Leistungen passen.

#9 – Erhöhe deine Preise

Ganz am Anfang geht es dir vielleicht noch gar nicht darum die bestmöglichen Preise rauszuholen. Zuerst einmal willst du Erfahrungen sammeln und dein Portfolio mit guten Arbeitsproben bestücken. Das ist auch völlig okay.
Aber mit jedem Jahr, dass du arbeitest und mit jeder Weiterbildung, steigt auch die Qualität deiner Arbeit. Das sollte sich auch in deiner Preiskalkulation wiederspiegeln. Überprüfe regelmäßig deine Preise und erhöhe sie, ohne schlechtes Gewissen. Bei einer Festanstellung steigt das Gehalt ja auch im Laufe der Jahre kontinuierlich an und niemand würde das je in Frage stellen.

Fazit

Auch wenn es den „richtigen Preis“ nicht gibt, so gibt es doch den passenden Preis. Und das ist der Wert, den du deiner Arbeit gibst. Manchmal passt das sehr gut, manchmal auch gar nicht.

Ich hab es mir zur Angewohnheit gemacht immer festzuhalten, wie lange ich für ein Projekt gebraucht habe. An Ende eines Auftrags rechne ich dann meinen tatsächlichen Stundensatz aus und vergleiche ihn mit dem, was ich am Anfang kalkuliert habe. Was soll ich sagen … mit jedem mal wird es besser. 😉

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Autor:

Hi, ich bin Gudrun und freiberufliche Designerin. Im "bilderbuero" bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf "Achtung Designer".

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Gudrun,

    danke für den Beitrag.

    Ich bin jetzt 4 Jahre selbstständig und trotzdem immer wieder an den Preisen dran. Letztes Jahr habe ich sie wieder neu kalkuliert. Ich arbeite mittlerweile mit Paketen und individuellen Preisen. So kann ich je nach Kunde entscheiden, was zu ihm passt. Das nehmen die Kunden so auch gerne an.

    Am Anfang war es schwer für mich einen Stundensatz festzulegen. Immer wieder kamen von allen Seiten andere Meinungen. Mir hat es dann geholfen mich einfach selbst darauf festzulegen, was ich möchte. Ich habe dann einfach meine Dienstleistung genommen, z.B. ein Logo, und überlegt, was ich dafür gerne hätte. Das habe ich dann runter gerechnet auf die Stunden. Dadurch kam ich auf meinen Stundensatz.

    Die Absagen von Kunden kenne ich auch. Mir wurde letztens gesagt ich seie unverschämt, weil ich es nicht eingesehen habe für eine Tasse Kaffee ein Logo und eine Webseite zu entwerfen. 😀 Solche Sachen gibt es eben auch. Man kann irgendwann darüber lachen 😀

    Lieber Gruß
    Freue mich schon auf Deine Challenge zu der ich mich jetzt anmelde 🙂
    Verena

    Antworten

    • Hallo Verena,
      vielen Dank für dein Feedback! Ich überlege immer wieder, ob ich Festpreise für bestimme Leistungen festlege oder doch bei der Projektkalkulation bleibe, kann mich aber nicht so recht entscheiden. Da ist es gut zu wissen, dass sich die Kombination von beidem bei dir bewährt hat. Vielleicht ist das auch eine Lösung für mich.
      Viele Grüße und bis bald bei der Challenge,
      Gudrun

      Antworten

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