Solltest du deine Preise auf der Website veröffentlichen?
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Solltest du als Designer die Preise auf deiner Website veröffentlichen?

Solltest du als Designer deine Preise auf der Website veröffentlichen?

Es ist eines dieser typischen Freelancer-Rätsel, über die man im Laufe seiner Karriere immer wieder stolpert: Soll ich meine Preise und Konditionen öffentlich machen oder nicht?

Die einen schwören darauf und haben gute Argumente, die anderen halten es für den völlig falschen Weg und wissen mindestens genau so viele Begründungen. Und schon ist man verunsichert und weiß nicht so recht, wie man es selber halten soll.

Warum ist diese Entscheidung für Kreative besonders schwer?

Gerade bin ich dabei mein Design-Business komplett zu überarbeiten und stelle mein bilderbuero neu auf. Eine eindeutigere Positionierung, neues Kundenprofil, überarbeitete Marketing-Strategie und neue Produkte und Angebote. Das ist spannend, aufregend, großartig, aber auch mit vielen Fragen verbunden.

Würde ich fertige Produkte verkaufen, dann wäre vieles einfacher: „Ein Buch = 19,99 Euro.“ „Eine Postkarte = 2,50 Euro.“ Aber so sind Design-Dienstleistungen nun einmal nicht. Jeder Auftrag ist anders, weil jeder Kunde andere Anforderungen und seine speziellen Rahmenbedingungen hat. Darum ist es auch schwer feste Preise auf der Website zu veröffentlichen.

Oder doch nicht? Gibt es typische Vor- und Nachteile, die auch bei Design-Dienstleistungen gelten? Ich hab mich auf die Suche gemacht.

4 Gründe, um Preise auf der Website zu veröffentlichen

  1. Zeitersparnis bei deiner Kalkulation
    Ein komplett neues Angebot für jeden einzelnen Auftrag zu erstellen, kann dich viel Zeit kosten. Und dann ist noch lange nicht gesagt, dass dein Kunde das Angebot auch annimmt. Rechne mal all die Stunden zusammen, die du sparen kannst, wenn du statt dessen einen festen und öffentlichen Preis für deine Designs hast. Da kommt einiges zusammen. Vor allem wenn du immer sehr ähnliche Leistungen (z.B. Hochzeitsfotografie) anbietest, kannst du hier viel Zeit sparen.
  2. Einfachere Verkaufsgespräche
    Nicht jeder ist von Haus aus ein Verkaufstalent. Wenn man dann wieder und wieder potentiellen Kunden erklären muss, was wieviel kostet und warum das nicht billiger / teurer / anders geht, dann kostet das viel Überwindung. Feste und öffentlich einsehbare Preise und Konditionen, auf die du im Gespräch verweisen kannst, können da eine echte Erleichterung sein.
  3. Passende Kunden finden
    Wenn du für deine Designs Preise auf der Website veröffentlichst, wissen deine Kunden schon vor der ersten persönlichen Kontaktaufnahme, in welchem Preissegment deine Leistungen liegen. Das erspart dir sämtliche Telefonate im Stil von: „Nein, ein Logo kostet nicht nur 50, 00 Euro“.
  4. Bessere Informationen für deine Kunden
    Wir alle wissen gerne woran wir sind, bevor wir etwas kaufen. Das geht deinen Kunden genau so. Wenn er bei dir ganz klar und strukturiert alle nötigen Informationen (und dazu zählt auch der Preis) zu deinen Designs findet, dann wirkt das professionell und das wiederum kann seine Kaufentscheidung positiv beeinflussen. Findet er nicht was er sucht, dann ist er schnell wieder von deiner Website weg.

4 Gründe, um Preise nicht zu veröffentlichen

  1. Individuelle Produkte und Designs
    Design ist individuell und lässt sich nicht leicht über einen Kamm scheren. Der Aufwand für eine Illustration kann ja, je nach gewünschtem Zeichenstil, sehr verschieden sein. Wenn du für deine Auftraggeber immer ganz unabhängige und persönliche Angebote erstellen willst, dann sind öffentliche Preise eher hinderlich.
  2. Talent vor Preis
    Wenn du willst, dass dich deine Kunden für deinen besonderen Stil buchen, unabhängig davon was deine Arbeit kostet, dann sind öffentliche Preise nichts für dich.
  3. Vergleichbarkeit und direkte Konkurrenten
    Wenn du in einem Bereich arbeitest, in dem es viele direkte Mitbewerber gibt, dann kann es besser sein die eigenen Preise nicht auf der Website zu veröffentlichen. Wenn die Konkurrenz deine Preise kennt, ist es leichter dich zu unterbieten. Das gilt vor allem, wenn du noch am Anfang deiner Karriere stehst und du noch nicht so viele gute Referenzen hast, um dich von der Menge zu unterscheiden.
  4. Kunden werden abgeschreckt
    Nicht jeder Kunde weiß genau was er sucht und was er braucht. Erst im direkten Gespräch könnt ihr zusammen ermitteln, was der Kunde genau benötigt und was es ihn dann kostet. Ein vermeidlich „zu hoher Preis“, der auf der Website veröffentlicht ist, kann verhindern, dass dich der Kunde überhaupt kontaktiert.

Wie und warum ich trotzdem meine Preise auf der Website nennen will

Wie du gesehen hast, gibt es eine ganze Menge guter Gründe für und gegen öffentliche Preise. Welche Argumente dir mehr zusagen, musst du für dich ganz alleine entscheiden.

Ich für meinen Teil habe mich für eine Mischlösung entschieden und werde zukünftig Preise auf der Website veröffentlichen. Aber nicht als fixe und all-inclusive Preise, sondern in einer gestaffelten Variante (Infografik mit kleinem Umfang, durchschnittlich aufwendige Infografik, aufwendige Infografik). Ich werde auch keinen festen Preis nennen, sondern statt dessen eine Startpreis für das jeweilige Paket festlegen, dass sich je nach z.B. Zeichenstil auch noch verändern kann.

Meine Gründe für diese Entscheidung waren, dass ich …

  • viel Erfahrung mit der Gestaltung von Infografiken habe, weil ich das schon lange mache.
  • immer die Zeit mitbeschrieben habe, wenn ich Aufträge umgesetzt haben. Davon verspreche ich mir, dass ich eine passende durchschnittliche Kalkulation erstellen kann, die dann auch für alle Infografiken passt.
  • selber als Kunde gerne weiß woran ich bin. Finde ich nicht was ich suche, bin ich schnell bei einem anderen Anbieter. Darum möchte ich diesen Service für meine Designs auch bieten und meinen Auftraggebern einen Preisrahmen nennen.

Niemand kann mir sagen, ob sich mein Konzept auch so in die Realität umsetzen lässt und wie meine Kunden die Paketlösungen annehmen werden. Aber ich möchte es ausprobieren, denn es schafft aus meiner Sicht mehr Transparenz und Kalkulierbarkeit für beide Seiten.

Wie gehst du mit dem Thema um?

Arbeitest du mit Paketpreisen?
Hast du feste Angebote für deine Designs?
Und wenn ja, findet man diese dann auch öffentlich auf deiner Website?
Oder berechnest du jeden Auftrag ganz individuell?

Da ich gerade noch mitten in der Planungsphase stecke, interessiert mich deine Meinung und deine Erfahrung sehr.

Autor:

Hi, ich bin Gudrun und freiberufliche Designerin. Im "bilderbuero" bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf "Achtung Designer".

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Gudrun, schön, dass du dieses Thema behandelt hast! Als ich vor fünf Jahren in die Selbstständigkeit gestartet bin, habe ich mir schon Gedanken darüber gemacht, ob ich feste Preise anbieten möchte, oder nicht. Ich habe im Laufe der Zeit jedoch sehr schnell gemerkt, dass feste Preise in meinem Bereich gar nicht so einfach sind. Wer ahnt auch schon, dass die Gestaltung einer Visitenkarte mal ganz schnell geht – und dann wieder unglaublich viel Aufwand erfordert?

    Ich habe mich relativ schnell dazu entschieden meine Preise nicht öffentlich zu machen. Dennoch biete ich meinen Kunden ein preisliches Misch-Konzept: Einerseits arbeite ich mit einem festen Stundensatz, der von meinen Kunden gerne akzeptiert wird. Will der Kunde mehrere Produkte gleichzeitig designt haben, erstelle ich auch gerne mal einen Paketpreis. Das ist mögich, da auch ich meine Zeiten aufschreibe und so den Arbeitsaufwand gut einschätzen kann. Bei Broschüren kalkuliere ich wiederum mit einem Seitenpreis.

    Das klingt jetzt vermutlich etwas verwirrend – aber diese Art der Preisgestaltung ermöglicht mir eine völlig freie, aber auch sehr exakte Kalkulation.

    Antworten

    • Hey Melanie,
      feste Preise zu haben und diese nur bei Anfrage bzw. beim Angebot rauszugeben, habe ich auch überlegt. Gut zu wissen, das dieses Prinzip bei dir super funktioniert. Sollte es mit den öffentlichen Preise bei mir nicht klappen, dann probiere ich als nächstes deinen Weg. Danke!
      Liebe Grüße,
      Gudrun

      Antworten

      • Kann nur empfehlen feste Pakete anzubieten, und konkreter zu werden, welche Kunden immer das gleiche wollen, umso einfacher wird es meiner Meinung nach.

        Antworten

  2. Hey Gudrun,

    danke für deine offene Meinung.
    Da ich ja mehr in den Coachingbereich gegangen bin, habe ich meine Preise öffentlich. Ich muss mit Kunden nicht mehr über meine Preise diskutieren, sie wissen, was sie bekommen und ja ich schrecke manche Kunden ab, weil sie auch nicht zu mir passen.

    Ich finde Preise sollten auf der Webseite stehen. Wie du schon geschrieben hast, erspare ich mir dadurch unnötige Gespräche, was mein Angebot kostet oder was es konkret gibt.

    Alles was ich nur noch mit meinen Kunden festlege, sind die Inhalte der Zusammenarbeit. Mehr nicht.

    Liebe Grüße Jacqueline

    Antworten

    • Hallo Jacqueline,
      im Coachingbereich findet man öffentliche Preise häufig, obwohl es dort doch sicher auch nicht immer einfach ist den konkreten Umfang der Beratung zu schätzen bzw. einzugrenzen, oder?
      Lieben Gruß,
      Gudrun

      Antworten

      • Liebe Gudrun, ich glaube je mehr Klarheit man über seine Kunden hat und was sie brauchen, umso leichter wird es herauszufiltern, was im Angebot enthalten sein soll.

        Habe gerade einige Sachen auch als Videos produziert, weil bestimmte Themen immer wieder auftauchen. Also ich mache es letztlich so, dass ich dann eine weitere Stunde anbiete oder halt mein festes Paket.

        Ich habe mir sehr viel von Shalia Stephens angeguckt zum Thema Preisen, kann ich nur empfehlen: https://www.youtube.com/user/shailiastephens

        Ihr Blog gibt auch noch sehr viel her und die Webinarserie war wirklich klasse.

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