Interview: Was macht eine Berufsverband für Designer? - Achtung Designer
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Was macht ein Berufsverband für Designer? – Interview mit Leonie Altendorf über den BDG

Interview Leonie Altendorf - Berufsverband für Designer

Muss man als Designer in einem Berufsverband sein? Profitiert man als einzelner Selbstständiger überhaupt von so einem Zusammenschluss? Und was genau macht den so ein Berufsverband für Designer?

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich bis jetzt nur sehr wenig Berührung mit Berufsverbänden. Genau genommen, war mein einziges Zusammentreffen bis jetzt ein Vortrag, den ich während meines Studiums gehört habe. Mehr nicht.

Dabei gibt es ganz verschiedene Organisationen für fast jede Spezialisierung. Für Illustratoren gibt es die Illustratoren Organisation, für Grafikdesigner den Berufsverband der Kommunikationsdesigner oder die Allianz deutscher Designer, Modedesigner haben das Netzwerk deutscher Mode- und Textildesigner … – die Liste kann man beliebig verlängern. Es ist also an der Zeit, sich das Ganze mal etwas genauer anzuschauen und nachzufragen.

Leonie Altendorf ist selbstständige Designerin und im Präsidium des BDG (Berufsverband der Kommunikationsdesigner). Sie hat mir ein Interview gegeben, in dem sie alle meine Fragen rund um das Thema Berufsverband für Designer am Beispiel des BDG beantwortet hat.

Hallo Leonie, schön das du dir die Zeit nimmst und uns ein wenig über den BDG berichtest. Kannst du dich bitte kurz vorstellen und uns erzählen was du beim BDG machst?

Ich bin Leonie Altendorf, selbstständige Kommunikationsdesignerin aus Wuppertal. Seit ca. 8 Jahren arbeite ich mit meinem Partner zusammen, wir führen gemeinsam das Büro Altendorf/Economou. Seit anderthalb Jahren tun wir dies als Familie, Büroalltag und Familienleben sind fast nicht zu trennen.
Wir sind sehr vielseitig aufgestellt von Corporate Identity, Reporting, Packaging über Interaction- bis hin zu Sounddesign. Uns fällt eine Festlegung schwer, aber solange wir eine gute Qualität garantieren können, haben wir auch kein Problem damit. Wir lieben neue Herausforderungen, das Suchen nach guten Lösungen, und bieten gerne wohl durchdachte Alternativen, vor allem wenn sie zu einer sozioökologischen Verbesserung beitragen.

Ich denke, gerade diese permanente Auseinandersetzung mit unserem Beruf und unserem Umfeld hat uns auch zum BDG gebracht. Auslöser war Christian Büning, bis vor kurzem Präsident des BDG, und sein Vortrag „Ich weiß nicht – 50 Euro?“ in dem er einem auf sehr charmante und anschauliche Weise den Kopf wäscht und klar macht was es eigentlich bedeutet als selbstständiger Designer realistisch zu kalkulieren.
Auch wir sind mit unternehmerischer Nullkompetenz aus dem Studium raus und in die Selbstständigkeit reingestolpert, immer begleitet von dem Gefühl „es läuft zwar irgendwie, aber eigentlich müsste man ganz viel, ganz anders machen“. Mit diesem Vortrag pilgert er immer noch durch die Lande und ich kann nur jedem Designer empfehlen sich dieser freundlichen und sehr hilfreichen Kopfwäsche zu unterziehen.

Diesem Engagement folgend sind wir in den BDG eingetreten. Erst nach einigen Jahren stiller Mitgliedschaft haben wir 2013 aus Neugier eine Hauptversammlung besucht und waren sehr begeistert von den Menschen und der Stimmung auf die wir dort trafen. Ohne recht zu wissen wie mir geschah wurde ich ins Präsidium gewählt, ab dem Punkt begann ich mich überhaupt erst richtig mit dem Thema Berufsverband auseinander zu setzen. Jetzt kürzlich fand wieder eine Hauptversammlung statt, ich wurde erneut ins Präsidium gewählt und kann mein Engagement für einen guten Designberuf fortsetzen bzw. vertiefen.

Was genau macht der BDG und was will er für selbstständige Designer erreichen?

Der BDG ist ein Berufsverband, so wie es ihn für so ziemlich jeden denkbaren Beruf gibt. Der Verband ist das Sprachrohr, die Lobby, für die Belange der Kommunikationsdesigner (übrigens nicht nur Selbstständige), das vermittelnde Organ zwischen uns Designern und Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Der BDG sorgt für die Wahrnehmung der kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung von Design, wirkt auf die Politik ein, setzt sich ein für fairen Wettbewerb, fördert den beruflichen Nachwuchs, berät die Mitglieder in berufswirtschaftlichen Dingen, sorgt für Austausch und Netzwerk um nur einige Dinge zu nennen.

Viele Designer sind Einzelunternehmer und arbeiten alleine oder in lockeren Netzwerken mit anderen Kreativen zusammen. Nur wenige sind Mitglieder in Berufsverbänden oder anderen Organisationen. Wie profitieren Designer aus deiner Sicht von der Mitgliedschaft?

Designer verbünden sich nicht gerne, warum auch immer. Viele sind als Einzelkämpfer unterwegs. Aber tatsächlich macht man sich damit das Leben viel schwerer als es sein muss. Für mich hatte der Eintritt in den BDG einen wirklich positiven Aha-Effekt. Informationen die man sich vorher mühsam zusammengeklaubt hat, sind viel einfacher zu erreichen. Es hat mir eine große Sicherheit gegeben im BDG zu sein, man ist ja von permanenter Unsicherheit begleitet. Mache ich alles richtig? Wie gehe ich mit diesem und jenem Problem um? Der Informationszugang und vor allem auch der sehr offene, ehrliche und nette Austausch in diesem Netzwerk, stärken einem den Rücken. Dieses Wissen lässt einen selbstbewusster als Designer und Unternehmer auftreten. Man ist vielleicht Einzelkämpfer hat aber einen gewissen Rückhalt und schließlich plagen sich alle mit den gleichen Problematiken rum, die muss ja nicht jeder aufs Neue für sich alleine lösen.

Je mehr Kommunikationsdesigner sich dem BDG anschließen, desto weniger wird es diese Problematiken geben, umso handlungsfähiger wird der Verband. Man darf nicht vergessen, dass es sich um eine recht kleine Gruppe von Leuten handelt die all diese Dinge auf die Beine stellt und das tun alle ehrenamtlich. Eine Mitgliedschaft hat für mich auch nichts mit Idealismus zu tun, das ist eigentlich eine Notwendigkeit wenn man als professioneller Kommunikationsdesigner arbeiten und wahrgenommen werden will.

Der BDG vermittelt ja auch Auftraggeber und Designer. Akquirierst du über diesen Weg neue Aufträge oder Kontakte?

Nein, nicht direkt. Es gibt seit kurzem eine Plattform auf der Homepage auf der sich BDG Designer präsentieren können, die ist allerdings noch im Aufbau. Auch ist es noch nicht in den Fokus der Auftraggeber gerückt, über einen Berufsverband einen Designer zu finden. Dabei ist es recht naheliegend, zumindest hätte man als Auftraggeber die Gewissheit es mit einem professionell arbeitenden Designer zu tun zu haben. Die Professionalisierung ist gerade in unserem Bereich ein großes Problem. Da gibt es noch viel zu tun.

Indirekt eröffnet die Mitgliedschaft natürlich schon viele neue Perspektiven, man lernt viele Leute kennen, kommt rum, ist gut informiert, hat interessante Dinge zu berichten, alles Sachen die bei der eigenen Sichtbarkeit als Designer helfen. Allerdings hängt es da von der Aktivität eines jeden einzelnen ab und wie man die Möglichkeiten nutzt.

Nutzt du deine Mitgliedschaft im BDG auch in der Zusammenarbeit mit deinen Kunden? Zum Beispiel indem du die AGB-Vorlagen oder die Honorarempfehlungen verwendest?

Ja, diese Hilfestellungen nutze ich, oder wir, in unserem Büro. Ganz aktuell hat der BDG eine kleine Broschüre entwickelt, eine Art Kommunikationsleitfaden für Designer und Auftraggeber. Das ist ein nettes Heftchen was man seinem Auftraggeber zu Beginn eines Auftrags in die Hand drücken und zur eigenen Orientierung nutzen kann, um Missverständnissen und Kommunikationsproblemen vorzubeugen und einen Auftrag gemeinsam erfolgreich abzuwickeln. Um nur ein Beispiel zu nennen.
Ansonsten hilft es auch hier Gegenüber dem Kunden, professionell und selbstbewusst aufzutreten, was nicht nur dir sondern auch deinem Kunden zu Gute kommt.

Sich den typischen Problematiken zwischen Designern und Kunden bewusst zu sein, hilft einfach diese zu gar nicht erst auftreten zu lassen. Mit diesen Problematiken setzt sich der BDG schließlich täglich auseinander und berät dahingehend.
Zu zeigen, dass man Mitglied in einem Berufsverband ist, hat meiner Erfahrung nach nur positive Effekte, es zeugt von deiner Professionalisierung und das ist enorm wichtig um sich abgrenzen zu können. Im Endeffekt muss natürlich trotzdem die Qualität deiner Arbeit und deine Überzeugungskraft stimmen.

Danke für das Interview Leonie und dafür, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast.

Bist du auch in einem Berufsverband für Designer organisiert? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Ich bin gespannt und freue mich auf deine Meinung in den Kommentaren.

Foto © Kirsten Becken Photography

Autor:

Hi, ich bin Gudrun und freiberufliche Designerin. Im „bilderbuero“ bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf „Achtung Designer“.

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