Design-Autodidakt Arno Kuss im Interview – Achtung Designer
Suche
  • Tipps und Anleitungen für Designer, Grafiker & Kreative
  • um sich ein smartes & erfolgreiches Design-Business aufzubauen
Suche Menü

Von der Wertpapierbank zum eigenen Design-Business – Arno Kuss im Interview

Interview – Foto Arno Kuss

Einen festen, sicheren Job in einer Wertpapierbank aufgeben, um mehr Kreativität und Freiheit zu bekommen? Und das trotz der Risiken, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt? Lohnt sich das? Für Arno Kuss ist die Antwort ganz klar: Ja! Als kreativer Autodidakt hat er durchgestartet und ist heute mit seinem eigenen Design-Business Bunte Texte erfolgreich.

Hallo Arno, bitte erzähl uns doch ein bisschen was über dich und deine Arbeit.

Profilfoto Arno KussIch heiße Arno Kuss, bin Jahrgang 1976, seit 2005 verheiratet und Herrchen. Tagsüber teile ich mein Home Office mit meinen zwei Hunden. Besonders Lola die Mischlingshündin, nimmt ihren Job sehr ernst und besteht auf regelmäßige Arbeitszeiten, inklusive Pausen mit viel Bewegung an der frischen Luft. Während der Spaziergänge im schönen Taunus, finde ich den nötigen kreativen Freiraum für Ideen und Konzepte. Als Gegenpol zieht es mich aber auch mehrmals in der Woche nach Frankfurt. Das bunte Leben dort, die Energie, die Architektur – diese pulsierende Atmosphäre sorgen ebenfalls für Inspiration, so dient auch die Stadt als wichtige Kraftquelle.

Über mein Text-Grafik-Büro biete ich verschiedene Services an, zum Beispiel: Infografikerstellung, WordPress-Webdesign, Content-Marketing und die Erstellung von sowohl PR- als auch redaktioneller Artikel. Ich freue mich immer, wenn ich ganz individuell auf die Wünsche meiner Kunden eingehen kann: Jeder hat ja so seine Lieblingsfarbe oder einen Farbpallettebereich. Das steht auch für Einzigartigkeit. Mit viel Empathie und Engagement möchte ich die Authentizität meiner Kunden transportieren. Dafür steht dann auch das “BUNT“ in Bunte Texte.

Wie kam es dazu, das du dich selbstständig gemacht hast?

Ok Gudrun. Auf diese Frage habe ich schon lange mal Antwort geben wollen:
Über zehn Jahre arbeitete ich für eine Wertpapierbank. Ein Job, der viele Sicherheiten brachte, dafür wenig Freiheit für Kreativität und Entwicklung. Es gab viele vorgeschriebene Abläufe, Prozesse und Richtlinien. Außerdem vollzog sich im Betrieb eine gravierende Entwicklung, die ich für mich als unpassend empfunden habe. Ich bin jemand, der das was er macht nicht nur durchführt, sondern es lebt, ich kann gar nicht anders. Vieles davon geschieht auf einer Gefühlsebene, ich denke, die meisten Kreativen können das Nachempfinden – Herz vs. Kopf sozusagen.

Mit meiner ersten Idee bin ich grandios gescheitert. Meine Idee war es personalisierte, emotionale Geschichten für Hochzeiten, Jubiläum, Geburtstage und dergleichen anzubieten. Zu meiner eigenen Hochzeit erstellten meine Frau und ich so eine Geschichte – eine fantastische Reise – alle Hochzeitsgäste fanden darin ihr persönliches Kapitel. Es war quasi ein Geschenk von uns als Hochzeitspaar für unsere Verwandten und Freunde. Diese Geschichte war wunderschön und endete, wie kann es anders sein in einem berauschenden Hochzeitsfest. Die Story wurde von uns illustriert und vertont und dann mit einem Beamer vorgeführt. Überzeugt von meiner eigenen Schaffenskraft reifte die Idee, solche Geschichten auch für andere Menschen anzubieten, als Film, als Audio-Werk oder als illustriertes Buch. Trotz aller Vorbereitungen und Business-Plan verlor sich diese Idee, ich würde sagen, in einem Meer aus Unwissenheit, fehlender Erfahrung und mangelndem Durchhaltevermögen. Nach einem recht komplexen Auftrag für ein Biografiewerk als Buch, fand ich nicht mehr in die richtige Spur zurück, was folgte, war eine erste Krise der Selbstständigkeit.

Die Notwendigkeit zur Neuorientierung führte mich irgendwie in den Texterstellungsbereich. Über Onlineportale wie content.de verdiente ich gerade so wie viel, dass es irgendwie reichte. Ohne den Verdienst meiner Frau über ihre Festanstellung, wär spätestens zu diesem Zeitpunkt das Ende meiner Selbstständigkeit eingetroffen. Wir haben uns da irgendwie durchgewurschtelt. Durch zufriedene Kunden erhielt ich mit der Zeit dann besser bezahlte und vor allem regelmäßige Textaufträge. Dennoch, mit dem Texten alleine, das wusste ich, würde ich mir keine Zukunft als Freelancer aufbauen. Der Markt der Mitbewerber ist sehr stark umkämpft, besonders, was das Preisdumping angeht. Es musste also ein Zusatz zum Textbereich her, irgendetwas, was mich von anderen Textern abhebt. Zum Glück bin ich im Bereich des Grafikdesigns nicht ganz frei von Talent, zumindest habe ich eine gewisse Empathie für Gestaltung. Während meiner Zeit in der Wertpapierbank erstellte ich am liebsten Powerpoint-Präsentationen. Meine Fähigkeiten liegen zwar nicht im Bereich der Illustration, dafür aber im Design.

So führte die Zeit also das zusammen, was zusammenpasst: Text und Grafik, ein weiterer Grund für mein Branding Bunte Texte. Als Produkt, beziehungsweise als Dienstleistung, resultiert diese Komposition in Infografiken, was wirklich optimal für mich ist. Weiterhin biete ich auch passende redaktionelle Texte an, Artikelgrafiken, und Webdesign was ich in Zukunft für einen ganz spezielle Zielgruppe ausbauen möchte.

Was schätzt du an deiner Selbstständigkeit am meisten und was ist die größte Herausforderung für dich?

Was Wertschätzung und Herausforderung der Selbstständigkeit angeht, ist das ein sich ständig verändernder Prozess. Anfangs war die Freiheit der Selbstbestimmung unheimlich wichtig, mit der Zeit kann diese Wertschätzung aber auch schnell zur Befangenheit werden, denn die Rahmenbedingungen für Freelancer sind hart. Ich meine damit zum einen den eigenen Handlungsfreiraum, der ja irgendwie auch immer durch die Nachfrage bestimmt und zum Teil reguliert wird, aber auch die steuerlichen und finanziellen Aspekte wie, Buchhaltung, Absicherung usw., das finde ich schon ziemlich hart. Ich bin eher Bauchmensch und emotional, dafür weniger rational und leider auch nicht ganz so diszipliniert wie es manchmal nötig wäre.

Dass ich im Home Office arbeite und damit auch für unsere zwei Hunde immer da sein kann, das ist ein unbezahlbares Gut. Weiterhin muss ich nicht zwingend um 8:00 Uhr morgens pünktlich mit der Arbeit beginnen und auch die Mittagspause ist meistens deutlich länger als normalerweise in einem Angestelltenjob, dafür arbeite ich oft an Feiertagen, auch an Wochenenden oder am Abend. Diese Flexibilität kommt mir sehr zugute.

Die Kreativszene entwickelt sich schnell. Wie informierst du dich über Trends & Hintergründe oder bildest dich weiter?

Da ich zum größten Teil Webworker bin, erfahre ich auch dort am ehesten von neuen Trends und Techniken. Auch die Wissensvermittlung findet dort statt. Besonders bei der Problembearbeitung im Job lernt man viel dazu. Ich bin ja auch Autodidakt und lerne am besten bei der praktischen Umsetzung. Theoretische Ansätze und Lektüren sind oftmals interessant und eignen sich sehr gut zur Inspiration. Natürlich halte ich Ausschau in thematisch passenden Publikationen oder ich erfahre durch die Arbeit und den Austausch mit anderen Leuten (so wie mit Dir). Ein Event, welches ich wirklich gerne regelmäßig besuchen möchte, ist die Republica in Berlin, vielleicht schaffe ich es ja im nächsten Jahr dorthin zu kommen, die Panels und die Möglichkeit zum Netzwerken reizen mich wirklich.

Coworking-Spaces, Meetups oder Social Media – Wie hältst du den kreativen Kontakt zu anderen Designern?

Ich wohne in der Nähe von Frankfurt, deshalb dachte ich auch schon an eine Möglichkeit des Coworkings, das würde mich wirklich sehr reizen. Besonders die Nähe von anderen kreativ arbeitenden Menschen und deren Arbeitsbereiche ist äußerst inspirierend. Ideal wäre es, wenn es solch ein Büro mit Hundeerlaubnis geben würde, etwas anderes ist für mich nicht vorstellbar. Trotz meiner Tätigkeit als Freelancer würde ich mir viel mehr Zusammenarbeit untereinander wünschen.

Welchen Tipp würdest du einem anderen Designer geben, der mit dem Gedanken spielt sich selbstständig zu machen?

Mein Tipp für angehende selbstständige Designer? Ich weiß nicht, ob das so sinnvoll ist, denn jeder lebt und arbeitet so individuell, hat unterschiedliche Backgrounds, Vorstellungen und Zielsetzungen. Weiterhin sind die produktiven Gegebenheiten bei jedem irgendwie unterschiedlich. Solche Tipps halten einen vielleicht davon ab, durch eigene Erfahrungen zu lernen. Ok, dann eben dies als Tipp. Lerne durch eigene Erfahrungen. Das ist für einen praktisch veranlagten Menschen essenziell. Dieser Erfahrungsschatz wird Dir in der Zukunft helfen, dich zurechtzufinden. Tätigkeit durch Wissen aus eigenen Erfahrungen. Erzähle deine eigne Story und gib Dir die nötige Zeit dafür auch, oder besonders für Rückschläge.

Liebe Gudrun, ich danke Dir für die Möglichkeit auf diese interessanten Fragen eingehen zu dürfen. Sie ermöglichen einem einen Rückblick auf den eigenen Weg, auf den Anfang, auf zahlreiche Unpässlichkeiten und einen kleinen Ausblick in die Ferne. Es wäre schön, wenn man sich irgendwann auf einer Kreuzung treffen würde. Alles Gute!

Vielen Dank Arno. Es freut mich, dass meine Fragen für dich so interessant waren, wie deine Antworten für uns!


Du möchtest noch mehr Interviews aus dieser Reihe lesen?

  1. Katrin de Buhr // Designstuuv
  2. Lena Linkert // Lena Linkert Mediendesign
  3. Arno Kuss // Bunte Texte
  4. Nicola Kühn // Soulful Graphic Design

Autor:

Hi, ich bin Gudrun und freiberufliche Designerin. Im "bilderbuero" bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf "Achtung Designer".

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.