Designerin Saskia Schlarmann im Interview – Achtung Designer
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„Ich versuche schon im ersten Gespräch beim „Was“ dabei zu sein, nicht erst beim „Wie“. – Designerin Saskia Schlarmann im Interview

Interview mit der Designerin Saskia Schlarmann auf Achtung Designer

Eine der Sachen, die ich an meiner bunten und vielfältigen Selbstständigkeit so schätze ist, dass ich immer wieder auf ganz unterschiedliche Kreative treffe. Designer mit ganz anderen Erfahrungen, Lebensläufen und Schwerpunkten – so, wie Saskia Schlarmann von Pirsch-ID, die ich bei einem Infografiker-Treffen kennengelernt habe. Und weil dieser Austausch nicht nur für mich sehr spannend und bereichernd ist, sondern auch für dich, habe ich Saskia zum Interview eingeladen.

Hallo Saskia, toll, dass du uns etwas über deine Erfahrungen zum Thema Selbstständigkeit erzählst. Stell dich und deine Arbeit doch bitte kurz vor.

Ich lebe mit meinem kleinen Sohn (bald 9) in Berlin – zurück in meinem geliebten Mitte. Nach etlichen Jahren, die ich überwiegend in München verbracht habe, bin ich sehr glücklich wieder „zuhause“ zu sein. Hamburg, meine Studienstadt, finde ich zwar schicker, aber trotzdem.

Beruflich entwerfe ich Erscheinungsbilder und Kommunikationslösungen für Unternehmen und Projekte, also klassisches Corporate Design – in der Rundum-Versorgung. Digital und analog. Mit dem Anspruch an hochwertiges, zielgruppengenaues Design und unkomplizierte Handhabung begleite ich meine Kunden von der Planung des Bedarfs bis zur Realisierung der fertigen Produkte.

Im Büro von Saskia Schlarmann

Du hast noch nie in einer Festanstellung gearbeitet, sondern von Beginn an als Selbstständige. Wie kam es denn dazu, dass du dich direkt selbstständig gemacht hast?

Ich kann nicht behaupten, dass es eine bewusste und ordentlich geplante Entscheidung gewesen wäre, mich selbstständig zu machen. Noch nicht einmal das Kommunikationsdesignstudium war wirklich geplant. Ich brauchte nur was zum Auffüllen der Wartezeit auf einen Studienplatz für Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaften. Damals lag der Numerus clausus bei 1,0 – davon war ich ziemlich weit entfernt …

Als ich nach dem Design-Abschluss mit dem Universitätsstudium in Berlin begann, musste das natürlich finanziert werden. Da bot es sich an, dies mithilfe der bereits fertigen Ausbildung zu erledigen. Mit einer Selbstsicherheit, die sich aus absoluter Naivität speiste, begab ich mich auf die Suche, und ergatterte tatsächlich einen Auftrag für die Neugestaltung sämtlicher Presseunterlagen des Berliner-6-Tage-Rennens. Oh la, la … habe ich gedacht, und wie geht das jetzt? Praktische Arbeit war kein sehr großes Thema im Studium gewesen. Also bin ich zu meiner ehemaligen Kommilitonin und Freundin gelaufen, die auch nach Berlin gezogen war. Zu zweit keine Ahnung zu haben erschien mir angenehmer als allein. Dank unglaublich hilfsbereiter Druckereien, die uns in die Geheimnisse der Druckvorstufe eingeweiht haben, ist der Auftrag geglückt, es folgten weitere und wir waren auf einmal eine Agentur. (Mit Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaften bin ich dann allerdings nicht mehr übers Grundstudium hinaus gekommen…)

Du hast auch ein Jahr in Lissabon gearbeitet. Wie hat diese internationale Arbeit deine Arbeitsweise beeinflusst? Was hast du aus der Zeit für dich mitgenommen?

Ein paar Kacheln (für die Lissabon ja berühmt ist), Beruhigungsatemtechniken, um den ständig, wegen Stromausfall oder Gluthitze auftretenden, Technik-Total-Ausfällen zu trotzen und Einblicke in die internationale Werbefilmbranche, die sich in Portugal tummelte.

Aber beruflich richtig Fuß fassen konnte ich dort nicht und habe immer mehr Aufträge aus Deutschland bearbeitet. Eine Zeit lang bin ich zwischen München und Lissabon gependelt. Das fand ich todschick. In München entwickelte sich dann aber eine beruflich neue Partnerschaft, die mich zur Gründung meiner zweiten Agentur führte.

Meine Agenturpartnerin kam aus dem Marketing internationaler Netzwerkagenturen. Durch unsere langjährige Zusammenarbeit habe ich einen Eindruck von strategischer Markenführung bekommen. Dank ihrer Expertise sind wir nämlich viel früher in die Prozesse der Markenbildung unserer Kunden eingebunden worden, was die visuelle Konzeption deutlich zielgenauer macht. Ich versuche also weiterhin sehr nah an meinen Kunden dran zu bleiben und möglichst schon bei den ersten Gesprächen dabei zu sein, wenn es noch um das „was“ überhaupt geht und nicht erst bei der Fragestellung „wie“ es aussehen soll.

Was schätzt du an deiner Selbstständigkeit am meisten und was ist die größte Herausforderung für dich?

Ich vermute, es ist die Beweglichkeit, die ich am meisten schätze. Die vielbeschworene freie(re) Zeiteinteilung ist sehr hilfreich, besonders seit ich Mutter bin. Außerdem hat man die zumindest theoretische Möglichkeit bei gleicher Arbeitsstundenzahl deutlich mehr Geld zu verdienen, als in einem Angestelltenverhältnis, allerdings kann man natürlich auch deutlich weniger verdienen, was dann in die Kategorie der größten Herausforderungen fällt. Außerdem gibt es ab und zu mal einen schwachen Tag, da wünsche ich mir einen Chef, auf den ich schimpfen könnte – dann müsste ich das nicht immer mit mir selber machen.

Du hast 2013 für dein Corporate Design einen Red Dot Award bekommen. Worum ging es bei dem Design genau?

Das ist das Design von AQUAOrganic für das Saskia Schlarmann mit dem Red Dot Award ausgezeichnet wurde.

Präsentation der Pfeleserie AQUAOrganic mit dem Design von Saskia Schlarmann.

Das ist das Design von AQUAOrganic für das Saskia Schlarmann mit dem Red Dot Award ausgezeichnet wurde.

Klar, minimalistisch und auf den Punkt – so ist das Design für AQUAOrganic für das Saskia Schlarmann mit dem Red Dot Award ausgezeichnet wurde.

Da ging es um die Verpackungen einer hochwertigen organischen Pflegeserie – AQUA ORGANIC.

Wir wollten das Klassifizierungssystem der Linie auf minimalistische, aber deutliche Art zeigen. Daraus sind diese überaus großen Lettern entstanden, die sich um die Kartonkanten herumwinden und deshalb von allen Seiten zuordenbar sind. Innen sind die Kartons knallgrün.

Die Kreativszene entwickelt sich schnell. Wie informierst du dich über Trends & Hintergründe oder bildest dich weiter?

Ich lese, ganz altmodisch, Fachmagazine und -bücher und eine kleine tägliche Ration an News-Feeds, wie XING News Design z.B., ist natürlich auch dabei. Meine Weiterbildung erfolgt meistens durch entsprechende Kundenaufträge, also das übliche learning-by-doing. Außer mein neuestes Interesse für Informationsdesign, da bin ich ganz allein drauf gekommen. Und wie schön, dass wir uns darüber kennengelernt haben und Du mit mir dieses Interview führst.

Coworking-Spaces, Meetups oder Social Media – Wie hältst du den kreativen Kontakt zu anderen Designern?

Argh, damit erwischst Du einen wunden Punkt. Was mich selbst betrifft bin ich eine ziemliche Social Media-Niete. Und zum draußen „Rumtreiben“ fehlt mir oft die Zeit, da ich in der Regel in meinem Home-Office tätig bin. Ich liebäugele deswegen jetzt tatsächlich mit einem Platz in einem Coworking-Space, damit ich wieder mehr unter Leute komme.

Welchen Tipp würdest du einem anderen Designer geben, der mit dem Gedanken spielt sich selbstständig zu machen?

Das genaue Studium Deines Blogs „Achtung Designer“. Da steckt wirklich eine Menge Hilfreiches drin und das nicht nur interessiert zu lesen (wie ich), sondern auch umzusetzen. Gleiches gilt für den AGD Vergütungstarifvertrag Design – nicht alles für „lau“ machen, sondern gute Arbeit für eine entsprechende Bezahlung anbieten. Sonst kann bald kaum einer von uns noch davon leben.

Woran arbeitest du gerade?

Aktuell wartet eine Motiventwicklung für die Ausstellung „Die Alchimistin“ einer belgischen Kunstgalerie dringend darauf, angefangen zu werden. Für diese Galerie ESTHER VERHAEGHE Art Concepts habe ich bereits schon ein bisschen was gemacht. Dieses hier z.B.:
Designs von Saskia Schlarmann für Galerie ESTHER VERHAEGHE Art Concepts
Designs von Saskia Schlarmann für Galerie ESTHER VERHAEGHE Art Concepts

Und für die Physiotherapiepraxis PHYSIOPUNKT in München stehen gerade Akquise-Flyer für verschiedene Zielgruppen an, also was für Urologen/Gynäkologen und was anderes für Zahnärzte. Das Logo bzw. die Grundausstattung, die ich dafür gemacht habe, sieht so aus:

Physiotherapiepraxis PHYSIOPUNKT – mit dem Design von Saskia Schlarmann

Physiotherapiepraxis PHYSIOPUNKT – mit dem Design von Saskia Schlarmann

Vielen Dank für das tolle Interview und die Einblicke in deine Arbeit, Saskia.

Autor:

Hi, ich bin Gudrun und freiberufliche Designerin. Im „bilderbuero“ bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf „Achtung Designer“.

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