Ein Interview mit der Illustratorin Meike Teichmann - Achtung Designer
Suche
  • Tipps und Anleitungen für Designer, Grafiker & Kreative
  • um sich ein smartes & erfolgreiches Design-Business aufzubauen
Suche Menü

„Es ist toll einen Beruf auszuüben, der diese Vielfalt erlaubt! “ – ein Interview mit der Illustratorin Meike Teichmann

Interview mit der Illustratorin Meike Teichmann /AchtungDesigner.de

Direkt mit dem ersten Kinderbuch den Plattdeutschen Buchpreis gewinnen? Wenn das nichts ist! Der Illustratorin Meike Teichmann ist genau das 2010 mit dem Buch „Die Zaubermühle oder Wie das Salz in die Nordsee kam“ geglückt. Seitdem illustriert sie neben Bilderbüchern, Buchcovern oder Kalendern auch Maskottchen, Logos, Magazinillustrationen oder Schreibtischunterlagen. „Ich habe mich bewusst recht breit aufgestellt, da ich unheimlichen Spaß daran habe, jeden Tag etwas anderes zu illustrieren“, sagt Meike und ich finde das klingt großartig. Darum hab ich Meike zum Interview eingeladen und einmal genauer nachgefragt.

Hallo Meike, wie schön, dass du dir die Zeit für ein paar Fragen nimmst. Wie kam es denn dazu, dass du dich selbstständig gemacht hast?

Für mich war klar, dass ich Illustratorin sein möchte. Und diese werden in der Regel nicht fest angestellt, so dass es immer schon klar war, dass ich nach dem Studium selbstständig arbeiten werde. Außerdem mag ich die Freiheiten, die damit verbunden sind. Natürlich erfordert eine Selbstständigkeit auch viel Disziplin, Durchhaltevermögen und Motivation. Ich glaube, alles bringe ich mit.

Kinderbuch der Illustratorin Meike Teichmann

Mit „Die Zaubermühle oder Wie das Salz in die Nordsee kam“ gewann Meike Teichmann 2010 den Plattdeutschen Buchpreis

Deine Illus sind oft im Bereich Kinder- und Bilderbuch. Für viele Illustratoren ist ja gerade dieser Bereich ein Traum und es gibt wahnsinnig viel Konkurrenz. Was rätst du anderen Illustratoren die in diesem Bereich arbeiten wollen?

Das stimmt, ich habe schon für Buchverlage illustriert und im Regal stehen einige schöne Kinderbücher. Das ist sicherlich auch für viele ein Anreiz, seine eigene Arbeit später im Regal, in der Buchhandlung und in vielen Kinderzimmern zu wissen. Ohne Frage ein tolles Gefühl. Und oftmals ist das Arbeiten für Verlage auch sehr schön, wenn man beim Illustrieren einige Freiheiten genießt und so arbeiten kann, wie es einem am meisten Spaß macht. Dennoch weiß ich aus eigener Erfahrung und von vielen Kollegen, dass gerade dieser Bereich hart umkämpft ist, die Verlage oftmals die freie Auswahl aus vielen guten Illustratoren haben und die Preise und Konditionen diktieren. Vertragsverhandlungen sind zäh und oft unbefriedigend.

Ich würde allen Kollegen daher dringend raten, nicht alles einfach hinzunehmen und sie eindringlich bitten, wenigstens zu versuchen, zu verhandeln. Zu versuchen, etwas Besseres herauszuholen als das, was der Verlag anbietet. Denn das ist oft nicht viel. Wir Illustratoren unterbieten uns so oft gegenseitig und sägen damit am eigenen Ast. Außerdem ist Geduld nötig und man sollte nicht erwarten, nach einem ersten Messebesuch gleich ein Jobangebot zu bekommen. Oft muss man sich mehrfach treffen, das Portfolio senden, sich immer mal wieder melden, bis es passt und das richtige Projekt da ist.

Analog oder digital? Photoshop, Illustrator oder alles gemischt? Wie arbeitest du am liebsten, wenn du eine neue Illustration machst?

„Tukan im Kreis“, freie Arbeit von Meike Teichmann

„Tukan im Kreis“, freie Vektorillustration von Meike Teichmann

Früher habe ich vermehrt in Acryl und sehr großformatig gearbeitet. Das war toll und es sind schöne, malerische Motive entstanden, allerdings ist es oft nicht wirklich praktikabel gewesen und sehr umständlich. Korrekturen waren kaum möglich, der Arbeitsaufwand stand selten im Verhältnis zum Honorar und das anschließende Digitalisieren stellte mich vor viele Probleme. Ich bin immer mehr auf das digitale Illustrieren umgestiegen und arbeite mittlerweile so gut wie nur noch mit Photoshop oder Illustrator und meinem Grafiktablett. Man kann so viele schöne Striche und Strukturen mit den unterschiedlichsten Pinselspitzen simulieren, so dass es fast wie analog aussieht. Die Korrekturen gehen schneller, man hat viele tolle Möglichkeiten und das Digitalisieren entfällt ganz. Für mich sind das eindeutig viele Vorteile.

Je länger man selbstständig ist, desto unterschiedlicher sind ja auch die Aufträge, an denen man arbeitet. Gibt es einen Auftrag der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist? Und wenn ja, warum?

Da gibt es tatsächlich einen Auftrag aus dem Jahre 2009, der leider alles andere als gut lief. Ich war noch Student, unerfahren und hatte die Möglichkeit, für einen Italienischen Verlag ein Buch zu illustrieren. Mein Kontakt war eine freie Lektorin, da ich kein Italienisch spreche, sehr praktisch. Der Vertrag war kurz (was ungewöhnlich ist in der Branche) und alles stand drin, wie vorher abgestimmt. Also habe ich unterschrieben und alle Illustrationen angefertigt. Immerhin zwölf Doppelseiten plus ein Cover. Was ich leider nicht beachtet hatte, waren die Zahlungsbedingungen. Ein Drittel der Summe habe ich zu Beginn der Arbeit bekommen, die zwei weiteren Drittel sollte ich bei Erscheinen des Buches bekommen. Und was soll ich sagen, das Buch ist nie erschienen… Deswegen kann ich nur jedem empfehlen, genau auf die entsprechende Formulierung im Vertrag zu achten. Nie unterschreibe ich wieder eine Formulierung, die die Zahlung mit dem Erscheinen des Buches koppelt. Daraus habe ich, leider schmerzhaft, gelernt.

Du engagierst dich für junge Illustratoren und gibst deine Erfahrungen und deinen Rat gerne weiter. Warum ist dir diese Unterstützung so wichtig?

Ein wenig sagt es schon das Beispiel aus der vorherigen Antwort. Ich möchte gerne die jungen Kollegen und frischen Absolventen vor ähnlichen Fehlern bewahren. Und leider ist es immer noch so, so zumindest mein Wissen, dass die Schulen und Hochschulen viele wichtige Bereiche, die in unserem Berufsalltag nun einmal vorkommen, schlicht nicht erwähnen, dazu keine Veranstaltung oder Seminare anbieten. Die Leute kommen mit guten handwerklichen Fähigkeiten von der Hochschule und wissen nicht, wie sie ein Angebot schreiben sollen, was Nutzungsrechte sind und wie hoch ihr Stundensatz sein sollte. Ich möchte gerne helfen, wenn jemand Rat sucht. Das habe ich schon immer getan, ich helfe gerne, wenn ich kann. Und vielleicht kann ich so den ein oder anderen vor blöden Erfahrungen bewahren und das Selbstbewusstsein stärken. Denn das braucht man, wenn man sich selber verkaufen will und muss.

Zusammen mit Sven Geske gibst du auch Coachings für junge Kreative. Unter anderem unterstützt ihr Illustratoren, die ihre Mappe vor Messebesuchen oder Kundenterminen auf Vordermann bringen wollen. Kannst du uns ein paar Tipps geben, worauf man achten sollte? Welche typischen Fehler sollte man unbedingt vermeiden?

Ja, ich habe im letzten Jahr damit begonnen und nun sind wir zu zweit und haben ein schönes Angebot zusammen gestellt. Der Teilnehmer hat die Wahl zwischen einem Coaching zu allgemeinen Fragen rund um den Beruf Illustrator oder zu speziellen Themen wie der Auftragsabwicklung oder der Mappenberatung für Illustratoren.  Dabei schauen wir uns das Portfolio und die Webseite des Teilnehmers an und versuchen, so gut wir können Tipps zu geben, was verbessert und optimiert werden kann.

Man sollte seine Mappe zum Beispiel auf den jeweiligen Kunden ausrichten. Ein bunt gemischtes Portfolio zeigt zwar viel, aber der potentielle Auftraggeber möchte nur die Dinge sehe, die in sein Metier fallen. Zu einem Kinderbuchverlag sollte man deswegen auch keine Illustrationen aus dem Bereich Editorial schicken. Und selbst Bilder für Kinderbücher interessieren den Lektor für Jugendbuch schon nicht mehr. Und lieber nur die 5-8 besten Arbeiten präsentieren, als eine große Menge, die aber alle nicht wirklich gut sind. Im Notfall lieber fiktive, neue und passende Arbeitsproben erstellen und zeigen, als alte Bilder hervorkramen.

Zu guter Letzt Meike, eine meiner Lieblingsfragen, wenn ich andere Kreative interviewe: Woran arbeitest du gerade?

Arbeitsplatz von der Illustratorin Meike Teichmann

Ein Blick hinter die Kulissen: Der Arbeitsplatz von der Illustratorin Meike Teichmann

Es entsteht ein neuer Familienplaner für 2018. Ja, wir sind früh dran, aber dem Kunden haben die Motive vom diesem Jahr offenbar so gut gefallen, dass er direkt einen zweiten Kalender illustrieren lässt. Das freut mich natürlich sehr und nun gehts hier um Bären, Hasen und das einmal durchs Jahr.

Super Meike und danke für den spannenden Einblick in deine Arbeit!

Vielen Dank für dein Interview und die Möglichkeit, mich bei dir auf dem Blog zu präsentieren und vorzustellen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht!

Autor:

Hi, ich bin Gudrun und freiberufliche Designerin. Im "bilderbuero" bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf "Achtung Designer".

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interessantes Interview und sehr sympathisch! Ich denke, die klassischen „Anfängerfehler“ wie mit dem Buch das nie erschienen ist, hat wohl jeder schon hinter sich 😀

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.