Mein erster Design-Auftrag – Achtung Designer
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Mein erster Design-Auftrag – Oder wetten, mein erster Auftrag war schlimmer als deiner?

So war mein erster Design-Auftrag © Gudrun Wegener

„Woohoo! Ich hab es endlich geschafft!“ Das war so ziemlich das erste, was ich gedacht habe, als ich endlich meinen ersten Design-Auftrag an Land gezogen hatte. Und bis es soweit war, war es ein langer und ziemlich nervenaufreibender Weg, dass kannst du mir glauben.

Die Geschichte zu meinem ersten Design-Auftrag ist eine ziemlich kuriose Erfahrung und dieser erste Auftrag ist bis heute unangefochten auch mein schlimmster Design-Auftrag. Das will was heißen, weil ich inzwischen schon mehr als sechs Jahre lang selbstständig bin.

Aber starten wir Schritt für Schritt.

Eine Blogparade über den Start in die Selbstständigkeit

Die größte Herausforderung, wenn man sich als Designer selbstständig macht, ist nicht die eigene Website, der passende Name oder die richtige Rechtsform. Der größte Schritt, an dem sich alles verändert, ist der erste eigene Design-Auftrag.

Damit steht und fällt alles, was man sich so schön und euphorisch ausgemalt hat.

Kein Wunder also, dass dieses Thema angehende Designer besonders interessiert. Um ein bisschen mehr Licht ins Dunkel zu bekommen und damit wir alle voneinander lernen, habe ich die Blogparade „Mein erster Design-Auftrag“ ins Leben gerufen. Bis zum 20. Mai 2016 sind alle Kreativen eingeladen ihre Geschichte zu dem Thema mit uns zu teilen. Alles Wissenswerte zur Blogparade und die schon eingereichten Beiträge kannst du hier nachlesen.

Das rosarote Chaos vor meinem ersten Auftrag

Schon während meines Illustrationsdesign-Studiums hatte ich eine genaue Vorstellung davon, wie ich arbeiten wollte. In einem schönen hellen Atelier, mit tollen Projekten und kreativen Designs, aber vor allem ohne Chef. Also hab ich mich auch gleich nach meinem Abschluss selbstständig gemacht. Wohl gemerkt ohne Berufserfahrung, ohne einen Plan und ohne Aufträge. Rückblickend betrachtet, war das völliger Irrsinn.

Da saß ich nun also mit meiner Mappe voller Arbeitsproben, in der ich natürlich jedes Bild pixelgenau ausgerichtet hatte und wusste nicht so recht, wie es nun weitergehen sollte. Aber das rumsitzen liegt mir nicht.

Am liebsten wollte ich für Magazine illustrieren. Darum bin ich zum nächsten großen Zeitschriftenladen und hab mir alle potentiellen Magazine + Kontaktdaten der Ansprechpartner rausgeschrieben. Mit dieser langen Liste unterm Arm bin ich dann nach Hause.

„Aber jetzt einfach so da anrufen? Ist ja auch irgendwie unhöflich, oder?“, sagte mein innerer Schweinehund zu mir. „Besser ich kündige meinen Anruf vorher an.“, dachte ich daraufhin und hab eine schicke Postkarte gestaltet und an jede Magazin-Redaktion von meiner Liste geschickt. Der Text war in etwa: „Schönen guten Tag, ich bin … ich mache … und ich rufe Sie nächste Woche an.“ (Falls du jetzt schmunzelst und denkst, also viel komplizierter hätte es Gudrun auch kaum machen können, dann *hüstel* gebe ich dir heute völlig Recht. )

Ich war so unfassbar aufgeregt, als es darum ging nun auch wirklich in den Redaktionen anzurufen, um mich und mein Portfolio vorzustellen. Und gleich der erste Anruf war eine totale Katastrophe:

ich (schüchtern): „Hallo mein Name ist Gudrun Wegener. Ich bin Illustratorin und möchte gerne Frau xyz sprechen.“
Sekretärin: „Die ist nicht da.“
ich (zögernd): „ahhhhmmm – Wann ist Frau xyz denn wieder da?“
Sekretärin (genervt): „Sie ist morgen Nachmittag wieder da.“
ich (stoternd): „ahhhh ahhhh – Wann kann ich sie dann am besten erreichen?“
Sekretärin (herrisch): „Hab ich doch gesagt: morgen Nachmittag!“
ich (kleinlaut): „Dankeschön, ich ruf dann morgen wieder an.“

Nach diesem Anruf war ich so eingeschüchtert, dass ich den ganzen Tag lang kein einziges Telefonat mehr geführt habe.

Juhu, mein erster Design-Auftrag

Da mein Einstieg in die Magazin-Illustration, nun sagen wir mal, eher verhalten angelaufen ist, brauchte ich dringend einen anderen Design-Job. Irgendeinen. Über die typischen Freelancerportale wie Das Auge hatte ich jede Menge Bewerbungen rausgeschickt, aber Jobs ließen weiter auf sich warten. Das war ziemlich frustrierend.

Meine Rettung kam dann in Form einer typischen Stellenausschreibung im örtlichen Käseblatt. Eine regionale Firma für Medizintechnik suchte einen freien Grafiker für die laufende Erstellung von Werbemitteln. Meine Bewerbungsunterlagen waren schnell zusammengestellt und per Post abgeschickt. Als dann wenige Tage später die Einladung zum Vorstellungsgespräch + Probearbeiten kam, konnte ich mein Glück kaum fassen. Das Gespräch verlief unkompliziert und freundlich, die Konditionen passten gut zu meiner Vorstellung und zack war er da – mein erster Design-Auftrag.

Von Details, die ich niemals sehen wollte …

Schon bald stellte sich aber heraus, dass es im Bereich Medizintechnik und Forschung ein paar Besonderheiten gab. So muss man wissen, dass neue Techniken und Geräte natürlich nicht an lebenden Menschen getestet und erforscht werden können. Dafür gibt es so genannte „Körperspender“, also Menschen ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stellen. So weit, so gut.

Als es aber eines Tages hieß: „Frau Wegener, wir haben neue Fotos, die bearbeitet und retuschiert werden müssen. So das es ein bisschen frischer und lebendiger aussieht.“, da ahnte ich nicht, was mich gleich erwarten würde.

Ja, es war genau das, was du gerade denkst. Fotos von Leichnamen! Im Ganzen, im Besonderen und in der Nahaufnahme.

Ich erspare dir die Details … nur so viel, dieser Design-Auftrag ist bis heute unangefochten mein schlimmster Job!

Fazit

Wenn du hier im Blog schon länger mitliest, dann weißt du, dass meine erste Selbstständigkeit gescheitert ist. So planlose und unprofessionelle Telefonate wie mit der Magazin-Redaktionen waren auch ein Grund für mein Scheitern. Aber ich habe daraus viel gelernt. Dinge die mir am Anfang meiner Karriere Angst gemacht haben, gehören heute zu meiner Routine und sind dadurch sehr viel leichter geworden.

Solltest du gerade noch am Beginn deiner Selbstständigkeit stehen und du hast das Gefühl, dass gar nichts klappen will, dann kann ich dich beruhigen. Meine Geschichte hat auch sehr holprig gestartet und heute kann ich mir eine andere Art zu arbeiten gar nicht mehr vorstellen.

Wenn du auch schon länger selbstständig bist und denkst „Moment, meine Geschichte ist noch viel schlimmer, toller, kurioser als deine.“, dann mach bei der Blogparade mit.

Immer her mit deinen Storys! Wir sammeln sie in den Kommentaren unter dem Aufruf zur Blogparade und unter dem hashtag #meinersterdesignauftrag.

Autor:

Hi, ich bin Gudrun und freiberufliche Designerin. Im „bilderbuero“ bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf „Achtung Designer“.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Tolle Geschichte, die mir Mut macht. 🙂
    Und tolle Idee mit dem Sammeln von Geschichten – dafür vielen Dank, denn ich bin genau eine dieser Jungdesignerinnen, die kein Plan hat von irgendwas, sich nicht traut irgendwo anzurufen und – um ehrlich zu sein – die Sache mit den Postkarten hätte von mir stammen können. 😀

    Ich liebe deinen Blog. Mach weiter so!
    Eva

    Antworten

  2. Hallo Gudrun,

    sehr schöne Geschichte, die zeigt, dass man durch solche Erfahrungen viel lernen kann. Erst durch bestimmte Erfahrungen bin ich auch klarer in dem geworden, was ich machen möchte bzw. wie meine Angebote aussehen sollen.

    Ohne Dinge, die holprig laufen verändert man einfach nicht so viel.

    Danke für Deine Geschichte 🙂

    Lieber Gruß
    Verena

    Antworten

  3. Ha, ha, schöne Story.
    Im Medizinbereich gibt es so einige Kuriositäten. Ich habe lange Jahre Pharmawerbung
    gemacht und bei einem Katalog über Problemwundversorgung sind meine Kolleginnen
    immer schreiend davon gelaufen, wenn sie die Bilder von offenen Beinen und wundgelegenen
    Rücken gesehen haben.
    Ich krame mal in meinen Unterlagen und schreib was zu meinem ersten Designauftrag.
    LG Alex

    Antworten

    • Hey Alex,
      ja, ich würde sagen, deine offenen Beine schlagen meine Knochenbrüche. (AHHHHH!)
      Neh Spaß beiseite, es ist echt so, dass man in der Medizin so einiges zu sehen bekommt, auf das man gut verzichten könnte.
      Ich freu mich auf deinen Artikel.
      Liebe Grüße,
      Gudrun

      Antworten

  4. Pingback: Meine erste Kundin

    • Wenn du wissen willst, wie Modedesigner ihre Kollektionen verkaufen, dann guck unbedingt mal bei Annas Beitrag vorbei.
      Danke für`s mitmachen, Anne.

      Antworten

  5. Hallo Gudrun,

    ein absolut herrlicher Artikel! Ich musste hier und dort sehr lachen 🙂

    Einen so schlimmen Auftrag hatte ich bisher tatsächlich noch nicht. Aber es ist schön zu sehen, was du daraus gemacht hast. Weiter so!

    Liebe Grüße
    Melanie

    Antworten

  6. Herrlich, dein erster Design-Auftrag!
    Das ist so eine Mischung aus schrecklich und lustig zugleich. Kein Wunder, dass die Firma keine genaueren Details zu ihrem Auftrag in der Anzeige angegeben hat…

    Schade, dass die Sekretärin bei dem Magazin so unfreundlich war. Dadurch macht man es unerfahrenen Neulingen echt nicht gerade leicht. Finds toll, dass du trotzdem weitergesucht hast – und es hat sich ja gelohnt .Also, später 😉

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