8 Tipps, wie du unnötige Korrekturschleifen vermeidest
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„Nur noch eine kleine Änderung…“ – 8 Tipps, wie du unnötige Korrekturschleifen vermeidest

8 Tipps, wie du unnötige Korrekturschleifen vermeidest | © Gudrun Wegener

„Das Design gefällt uns wirklich gut. Wir haben nur noch eine winzig kleine Änderung…“
Kennst du das? Du denkst der Auftrag wäre fertig, doch dann meldet sich der Kunde noch einmal und hat die gefühlt 30. Korrekturschleife.

Das nervt und kostet dich und deinen Auftraggeber Zeit. Dazu kommt, dass diese zusätzlichen Korrekturschleifen in vielen Fällen unnötig sind, weil sich die Änderungen oft durch eine klarere Ansprache vor der Umsetzung vermeiden lassen.

8 Tipps, wie du unnötige Korrekturschleifen vermeidest

Korrekturschleifen sind ein ganz normaler Teil von jedem Designprozess. Unendlich viele Änderungen jedoch nicht. Mit diesen acht Tipps kannst du dir zukünftig viele unnötige Korrekturen ersparen.

#1 Kommunikation auf Augenhöhe

Wenn du mit einem Auftraggeber zusammenarbeitest, dann seid ihr beide vor allem eines: zwei gleichwertige Unternehmer. Ihr arbeitet zusammen an einem Projekt und könnt beide über den Verlauf und den Umfang der Arbeit bestimmen. Das klingt banal, ist es aber gar nicht. Designer sehen sich oft eher als Künstler und nicht als Unternehmer.

Das hat zur Folge, dass viele Designer vor allem reagieren und die geforderten Rahmenbedingungen der Kunden unkommentiert umsetzen, statt ebenfalls aktiv den Projektverlauf zu beeinflussen. Wenn du stattdessen mit deinem Kunden auf Augenhöhe kommunizierst und auch deinen Bedingungen absprichst, dann wird der Auftrag für beide Seiten effizienter, professioneller und einfacher.

#2 Finde heraus, was dein Kunde wirklich will

Auftraggeber wissen nicht zwingend, was genau sie wollen. Sie sind mit den Prozessen und Abläufen, die zur Designerstellung nötig sind, nicht vertraut. Wie auch? Darum ist es deine Aufgabe herauszufinden, was genau dein Auftraggeber braucht und warum.

Hinter dem Auftrag die bestehenden Werbemittel zu überarbeiten, steht vielleicht ein Generationswechsel im Unternehmen oder die komplett neue Ausrichtung der Produkte. In beiden Fällen sind die Anforderungen verschieden. Beim Generationswechsel soll das neue Design vielleicht „nur“ etwas moderner werden. Bei einer komplett neuen Ausrichtung hingegen kann sich das auch das ganze Design ändern.

Wenn du verstanden hast warum es ein neues Design geben soll, kannst du deinen Designentwurf viel gezielter an diese Wünsche anpassen. So machst du Designs, die besser zum eigentlichen Kundenwunsch passen. Du bist näher an den Zielen des Kunden und vermeidest unnötigen Änderungswünsche.

#3 Klare Absprachen im Angebot

In dein Angebot an den Kunden gehören nicht nur die Designs und die Preise, sondern auch eine genaue Auflistung der vereinbarten Leistungen.

  • Wie viele Entwürfe sind im Preis enthalten?
  • Wann sind Korrekturschleifen vorgesehen und in welchem Umfang?

Wenn du die Anzahl der Korrekturschleifen im Angebot festhältst, dann weiß der Kunde genau was er bekommt. Das gibt euch beiden Sicherheit.

Zusätzlich kannst du im Angebot einen Preis für weitere Entwürfe oder Korrekturschleifen angeben. Will dein Auftraggeber später Leistungen, die über den vereinbarten Umfang hinausgehen, dann kannst du ihn auf die angebotenen Zusatzoptionen im Kostenvoranschlag verweisen. Das verhindert keine zusätzlichen Korrekturschleifen, sorgt aber dafür, dass du diese bezahlt bekommst.

#4 Feste Meilensteine im Projekt verhindern Missverständnisse

Ein Designauftrag besteht immer aus kalkulierbaren Einzelschritten. Nach dem Briefing kommen die Entwürfe, daraus folgt der finale Entwurf, aus diesem die Reinzeichnung und das fertige Design. Wie viel Arbeit in den einzelnen Schritten steckt, kann dein Kunde nur schwer nachvollziehen. Hole ihn darum mit ins Boot und präsentiere vereinbarte Zwischenschritte.

Diese Meilensteine haben für euch beide Vorteile. Zum einen sieht der Kunde was du machst und in welchem Umfang. Er kann rechtzeitig genug eingreifen, falls die Entwürfe in die falsche Richtung gehen.
Du wiederum hast den Vorteil, dass du schon sehr früh weißt, ob die Designentwürfe passen. Hat dein Auftraggeber einen Meilenstein gesehen und abgenommen, so kann er später nicht mehr zurück und Korrekturen für abgesegnete Entwürfe verlangen.

#5 Design ist subjektiv und immer auch Geschmackssache

Manchmal hat man als Designer das Gefühl, dass Kunden sich immer für den langweiligeren/hässlicheren/unspektakuläreren Entwurf entscheiden. Und das ist auch okay, denn das fertige Design soll ja ihm gefallen und nicht dein persönliches Lieblingsstück werden.

Wenn es also unbedingt das schreiend laute Orange für die Überschriften sein soll, obwohl du mehrfach argumentiert hast warum die andere Farbe besser geeignet ist, dann soll es halt so sein. Im schlimmsten Fall hast zu zum Schluss ein Design, dass dem Kunden gefällt und das es nie in dein Portfolio schafft.

#6 Steh zu deinen Grenzen

Wenn du im Angebot klare Grenzen definiert hast, dann musst auch du dich daran halten. Stillschweigend, aber mit grummelndem Bauch, dann doch noch mal „eine kleine Änderung machen…“, die dann eher eine große Korrektur wird und nichts sagen, ist ebenso unprofessionell. Der Kunde will sich ja nicht Zusatzleistungen erschleichen, sondern erwartet zu Recht, dass du ihm sagst, wann Grenzen erreicht sind.

Weise ihn darauf hin, dass du gerne weitere Korrekturen machst, dass diese aber über das ursprüngliche Angebot hinausgehen und das so weitere Kosten entstehen. Dann hat er die Wahl, wie dringend die Änderungen wirklich sind. Klare Absprachen sind immer professionell und werden von Kunden geschätzt.

Das heißt nicht, dass du nicht doch aus Kulanz die eine oder andere kleine Änderung (z.B. eine kleine Textänderung) am fertigen Design machen kannst. Gegenseitiges Entgegenkommen gehört auch zu unserem Berufsalltag. Es heißt nur, dass du für dich selbst entscheiden musst, wo deine Grenzen liegen und wann diese überschritten sind.

#7 Steh zu deinen Fehlern, wenn du welche gemacht hast

Fehler können immer mal passieren. Manchmal redet man einfach aneinander vorbei, trifft partout den Geschmack nicht oder das finale Design funktioniert einfach nicht. Aber wenn der Fehler auf deiner Seite liegt, dann steht auch dazu. Nichts wird besser durch Zurückweisungen oder Ausreden. Je sauberer und offener du den Fehler kommunizierst, desto besser ist das für eure aktuelle und zukünftige Zusammenarbeit.

Ich habe beispielweise einmal den falschen Logoentwurf reingezeichnet. Das ist aber nicht mir, sondern dem Kunden aufgefallen, als ich ihm die finalen Daten geschickt habe. Also musste dann die komplette Reinzeichnung für das richtige Logo noch einmal in einer Nachtschicht wiederholen. (Ja, ich weiß das ist ein blöder Fehler, von dem man immer denkt, dass sowas doch nicht in echt passiert… aber ja, ich kann das. 🙂 )

#8 Manchmal sagst du besser „nein“

Es gibt aber auch einfach Auftraggeber, die weder dich noch deine Arbeit wertschätzen. Zu solchen Kunden sagst du besser gleich „nein“, wenn sich abzeichnet, dass eine Zusammenarbeit für beide Seiten zu einem unbefriedigenden Ergebnis führt.
Manchmal passt der Auftrag auch einfach nicht zu deinen Leistungen. Dann ist der Arbeitsprozess für dich schwer und zäh und der Kunde mit den Entwürfen nicht zufrieden. Unzählige Korrekturschleifen sind dann vorprogrammiert.

Fazit

Anders als bei fertigen Produkten oder Dienstleistungen, ist ein kreativer Prozess immer auch lebendig. Er entwickelt und verändert sich im Laufe des Auftrags. Korrekturschleifen sind da völlig normal und ein wichtiger Bestandteil.

Trotzdem gibt es gute Wege, um die Änderungen in einem vernünftigen und kalkulierbaren Rahmen zu halten. Keiner arbeitet gerne umsonst. Warum auch? Manchmal hilft auch der neutrale Blick von Außen. Wie gehen andere Branchen mit Vorleistungen, Korrekturen und Entwürfen um? Guck mal hier: #sehenswert

Autor:

Hi, ich bin Gudrun und freiberufliche Designerin. Im "bilderbuero" bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken, Sketchnotes & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf "Achtung Designer".

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Gudrun 🙂

    Ich fahre (im Moment) gut damit, wenn ich klar sage, dass eine Feedbackrunde incl. ist und jede weitere Geld kostet. Somit strengt sich auch der Kunde mehr an, mir zu vermitteln, was er eigentlich will. So Sachen wie „mach einfach mal, wir schauen dann“ kommen seit dem weniger häufig vor. Vermutlich, weil er sich denken kann, dass es in die völlig falsche Richtung gehen würde 😀

    Ich werde aber auch bald eine Preisliste veröffentlichen, dann kann man gleich schauen, was wieviel kostet und sich einen Eindruck bildet, bevor man 2 Stunden Briefing macht und hinterher rauskommt, dass dem Kunden doch alles zu kostspielig wird ^^

    LG
    Julia

    PS: Das Video ist klasse 😀 Vor allem, wenn man selbst eigentlich ja Architekt ist 😀 😀

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  2. Ich erinnere mich noch gut an einen meiner ersten Aufträge. Es war ein Flyer für eine größere Veranstaltung meiner Fachhochschule – und grade da hatte ich eine gute Kommunikation erwartet. Der Dozent von dem ich die Inhalte bekam – die Fotos stellte ich zur Verfügung, hatte nix gegen das Design aber er brachte immer und immer wieder neue Texte an – die ich dann auch noch korrigieren sollte. Ganze 8 mal. Ich war irgendwie echt sauer und hab auch gesagt das es so nicht geht – für einen Pauschalfestpreis das ich immer wieder alles neu machen muß und auch noch abgleichen und korrigieren soll. Ich war dann die böse Studentin wg der sich der arme Dozent so aufregen mußte und krank wurde… grrrrmpf. Ich hab dann insgesamt für einen ziemlich miesen Stundenlohn gearbeitet. Aber der Flyer hat mir gut gefallen – vorallem auch wegen meiner Fotos.

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