Warum du keine Angst haben brauchst, dass deine Selbstständigkeit scheitert

Positionierung & Spezialisierung | 6 Kommentare

Hast du dich schon auf dein Scheitern vorbereitet? Auf den absolut schlechtesten Fall? Auf den Fall, bei dem deine Selbstständigkeit nicht klappt und du aufgeben musst? Nein? Solltest du aber.

„Was soll das denn jetzt schon wieder? Hier im Blog geht es doch um den Erfolg von selbstständigen Designern, oder?“ Stimmt, und Erfolg und Scheitern passen nicht zusammen, denkst du. Genau an dieser Stelle liegt dein Denkfehler!

Die Angst vorm Scheitern bremst deinen Erfolg

Hand aufs Herz – Wie oft hast du schon einen Auftrag angenommen, obwohl er eigentlich zu schlecht bezahlt war? Der genau genommen gar nicht zu deinem Designschwerpunkt gepasst hast oder du das Thema nicht gut fandest?
Die Gründe sind so einfach wie nachvollziehbar. Du musst deine Miete zahlen und deine laufenden Kosten decken, sonst hat es sich mit deiner Selbstständigkeit bald erledigt. Das ist auch mal als Ausnahme okay, aber wenn du zu oft gegen deine eigentlichen Ambitionen handelst, dann blockierst du dich.

Du passt deine Stundensätze nicht an deine Erfahrungen und eine Weiterbildungen an, aus Angst, dass dir dann die Aufträge wegbrechen. Statt neue Wege zu gehen und dich weiterzuentwickeln, bleibst du auf den vertrauten, aber durchschnittlichen Pfaden hängen.

Das Ende vom Lied ist dann ein Job, der okay ist, weil er funktioniert, aber auch nicht mehr.

Dabei wolltest du doch selbstständig sein, um endlich all die Dinge zu machen, die dir so wichtig sind. Coole Aufträge, neue Ideen, Kooperationen mit spannenden Auftraggebern – all das wolltest du haben und jetzt traust du dich nicht. Immer die sichere Variante zu wählen funktioniert, ist aber langweilig. Deine Angst vorm Scheitern bremst dich aus und bringt dich um deinen Erfolg.

Warum du keine Angst haben brauchst, dass deine Selbstständigkeit scheitert. #Selbstständigkeit #Scheitern

Was ist dein allerschlimmster Fall?

Okay, jetzt mal Butter bei die Fische, wie man hier in Norddeutschland sagt. Was ist das Schlimmste, was dir passieren kann? Der absolute Worst Case? Du kannst die Miete nicht mehr zahlen, die Kreditrate ist fällig, die Kita-Gebühren müssen gezahlt werden, der Leasingvertrag läuft noch 3 Jahre und du brauchst auch Geld für die Rente und deine Zukunft. Du willst nicht, dass all die Leute Recht bekommen, die immer gesagt haben, dass du lieber deine Festanstellung behalten solltest. Du willst nicht, dass dein Traum kaputt geht, weil er dir so wichtig ist.

Nimm dir einen Zettel und schreib all diese Punkte auf. Mal dir die Folgen deines Scheiterns genau aus. Jeden bescheuerten und katastrophalen Fall, der dir einfällt.
Sei dabei ehrlich zu dir selbst. Den Zettel bekommt ja niemand anderes zu Gesicht. Er ist nur für dich und da ist jeder Punkt wichtig und erlaubt.

Und jetzt bereitest du dich vor!

Jetzt hast du dir all die schlimmen Vielleicht-Fälle von der Seele geschrieben. Du hast diesen Zettel und auf ihm die vielen großen und kleinen Katastrophen.
Jetzt geht es ins Detail. Guck dir die einzelnen Punkte an und überleg dir, wie du diesen Fall entschärfen kannst. Wie kannst du dich vorbereiten, damit dich dieser Punkt, wenn du scheiterst, nicht reinreißt? Hier mal ein paar Beispiele:

  • Ich kann meine Miete / Kredit nicht zahlen.
    Wieviel Geld brauchst du als Puffer, damit du 1-2 maue Monate überstehen kannst? Spar dir diese Summe an und lass sie auf deinem Konto. Immer! Leg jeden Monat ein bisschen was zurück. Das ist deine Sicherheitssumme für echte Notfälle.
  • Was ist, wenn ich krank werde? Und ich nicht arbeiten kann?
    Sprich mit deiner Versicherung. Wie sehen die Sonderfälle für freiberufliche Künstler aus? Ich zahle zum Beispiel jeden Monat eine kleine Extrasumme (unter 10 Euro) und bekomme schon ab dem 15. Tag Krankengeld und nicht erst ab dem 43. Tag. Das hat mich in meiner zweiten Schwangerschaft gerettet, als ich nicht mehr arbeiten konnte. Solche Zusatzvereinbarungen gibt es bei jeder Versicherung. Frag einfach mal nach.
  • Was Neues anzufangen schaffe ich doch sowieso nicht, weil ich keine Zeit / Geld / Unterstützung habe.
    Man kann immer neu anfangen. Es muss ja nicht von heute auf morgen sein und auch nicht immer sofort zu 100 %. Aus Angst vorm Scheitern gar nicht erst anzufangen, ist immer die falsche Entscheidung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um eine neue Ausrichtung deiner Selbstständigkeit oder ein spezielles Projekt geht. Nimm dein großes Ziel und unterteile es in viele kleine einzelne Teilziele. Und dann arbeitest du dich von Teilziel zu Teilziel. Das klappt auch neben deiner normalen Arbeit und braucht weder viel Geld noch auf einen Schlag viel Zeit. Es braucht nur deine Mut und ein Ziel vor Augen!

    Ein Beispiel: Sagen wir, dass du in Zukunft mehr in Richtung Spieledesign gehen möchtest. Dann können das deine Teilschritte sein:

    1. Erstelle eine Illustration für dich, die du richtig toll findest.
    2. Nimm sie mit in dein Portfolio auf.
    3. Recherchiere welche Agenturen im Bereich Spieledesign arbeiten.
    4. Guck ob deine Illustration gut in deren Design passt.
    5. Schreibe einen Blogartikel über Spielillustrationen und deren Animation.
    6. Knüpfe Kontakte zur Szene.
    7. Reagiere auf Ausschreibungen oder bewirb dich initiativ.
    8. Bleib am Ball und lass dich nicht entmutigen.
    Aus Angst vorm #Scheitern gar nicht erst anzufangen, ist immer die falsche #Entscheidung. #Selbstständigkeit #Designer @gudrunwegener Klick um zu Tweeten

    Wenn die Selbstständigkeit scheitert? Kein Problem mehr!

    Das Schlimme daran, dass deine Selbstständigkeit nicht klappt, ist nicht das Scheitern an sich. Es kann immer passieren, dass man eine tolle Idee hat, es aber keinen passenden Markt dafür gibt. Dann muss man die Idee variieren und es noch einmal probieren. Das ist völlig normal und kommt jeden Tag vor.

    Problematisch ist es, wenn dich der unbestimmte Gedanke an das Scheitern davon abhält, es überhaupt zu versuchen. Also lass das gar nicht erst zu. Schnapp dir deinen Zettel und schreib auf, was passieren kann und wie du dich für den Fall vorbereiten kannst. Du bist mutiger und erfolgreicher, wenn du weißt, dass du jetzt ja einen doppelten Boden hast.

    Du willst mehr Geld für den Auftrag? Dann setze deinen Stundensatz hoch! Sollte der Kunde darum abspringen, dann ist das nicht so schlimm, weil du deinen Sicherheitspuffer auf dem Konto hast. Bekommst du den Auftrag, dann gewinnst du doppelt: den höheren Preis und das gute Gefühl, deine Interessen umgesetzt zu haben.

    Fazit

    Wenn du dich darauf vorbereitet hast, dass deine Selbstständigkeit scheitert, bist du mutiger, sicherer und darum auch erfolgreicher.

    Natürlich baut sich so ein „doppelter Boden“ nicht von heute auf morgen auf. Muss es aber auch nicht. Die Sicherheit auf die schlechten Szenarien vorbereitet zu sein, hast du auch, wenn du jeden Monat ein bisschen was dafür tust. Diesen Monat ist es vielleicht ein Telefonat mit der Krankenkasse und im nächsten Monat kümmerst du dich um einen Dauerauftrag für deinen finanziellen Sicherheitspuffer.
    Wichtig ist nur, dass du dich deinen Risiken stellst und dich ganz gezielt auf sie vorbereitest. Und dann heißt es auch für dich:
    Angst vorm Scheitern? Kein Problem!

Der Artikel wurde zuletzt im Juni 2015 aktualisiert.
Fotocredit Titelbild: Gudrun Wegener

Gudrun Wegener / bilderbuero / Achtung Designer
Gudrun Wegener Hi, ich bin Gudrun und Designerin aus Hamburg. Im „bilderbuero“ bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf „Achtung Designer“.

Kommentare:

6 Kommentare

  1. Hey Gudrun,
    Ja, das Scheitern ist ja immer die größte Angst, Reserven zu haben ist auch gut, aber was, wenn die Reserven irgendwann aufgebraucht sind?
    Ich finde aber die Idee, sich den Worst Case aufzuschreiben, echt interessant und gut. Das werde ich auch mal machen. Vielleicht sogar in einem meiner Blogs, damit ich da auch immer mal nachsehen kann und anderen auch die Angst nehme. Sehr schöner Artikel,
    Liebe Grüße,
    Julia

    Antworten
    • Hallo Julia,
      danke für dein Lob! Das freut mich.
      Die Reserven, die ich meine, sind um 1-2 maue Monate zu überbrücken. Damit genug in der Hinterhand ist, um den Sprung zu wagen. 😉 Oft fehlt ja nur der eine kleiner (Teil-)Schritt, damit es endlich losgehen kann…
      Viele Grüße,
      Gudrun

      Antworten
  2. Wow, Gudrun, diese Tipps hätte ich mal vor 4 Jahren gebraucht… 😉
    Hoffentlich finden sie jetzt die richtigen Adressaten – super hilfreich, danke!

    Antworten
    • Hallo Carolin,
      genau dieser Gedanke „Hätte ich das mal schon früher gewusst!“ ist der Grund, warum ich Achtung Designer ins Leben gerufen habe.
      Toll, dass es dir bei dem Artikel genau so geht!
      Viele Grüße, Gudrun

      Antworten
  3. Liebe Gudrun,
    ich finde auch, dass deine Tipps ungemein beruhigen und einen entspannten Raum für neue Schritte öffnen – danke fürs Erinnern!
    Irka

    Antworten
    • Hallo Irka,
      sehr gerne!

      Antworten

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