"Die einzige Lösung für mich war: mich selbstständig zu machen." – Lena Linkert im Interview

Inspiration & kreativer Lebensstil | 3 Kommentare

Weiterhin als angestellte Mediendesignerin, jeden Tag von 9-5 Uhr in einem dunklen Büro arbeiten? Das kam für Lena Linkert nicht in Frage. Darum hat sich die Hannoveranerin Anfang 2014 mit ihrem Design-Business Lena Linkert Mediendesign selbstständig gemacht. Heute ist Lena viel freier, kreativer & lebendiger und froh, dass sie ihre Vorstellung einer optimalen Work-Life-Balance in die Tat umgesetzt hat.

Interview – Lena Linkert Mediendesign

Hallo Lena, toll das du uns von deiner Selbstständigkeit erzählst. Stell dich doch mal kurz vor.

Hi, ich bin Lena und arbeite als selbstständige Mediendesignerin für Gründer im Bereich Printdesign und WordPress. Mein Ziel ist es, meine Kunden mit meiner Arbeit bei der Realisierung ihrer Ideen und Träume zu unterstützen. Mit einzigartigem Design, umfassender Beratung und viel Herz, helfe ich ihnen auf dem Weg in ihr wunderbares Business.

Wie kam es dazu, das du dich selbstständig gemacht hast?

Nach über zehn Jahren im Angestelltenverhältnis verspürte ich irgendwann den Drang mein eigenes Ding zu machen. Ich wollte einfach ausprobieren, ob ich das Zeug und den Mut dazu habe. Nachdem ich in meiner damaligen Agentur auch keine Perspektive mehr für mich sah, wagte ich endlich den Absprung. Erst machte ich mich nur nebenberuflich selbstständig – meldete ein Kleingewerbe an, setzte eine Website auf usw. – und als es dann aber ganz gut anlief, kündigte ich direkt zwei Monate später meine Vollzeitstelle ganz.

Was schätzt du an deiner Selbstständigkeit am meisten und was ist die größte Herausforderung für dich?

Am meisten schätze ich an meiner Selbstständigkeit meine Flexibilität. Ich kann mir meinen Tag einteilen, wie ich es für am sinnvollsten halte. Gerade jetzt während meiner Schwangerschaft, kann ich mich darüber wirklich glücklich schätzen. Ich bau mir Pausen im Tag ein, wenn ich sie brauche. Bei einem 9-5 Job wäre das unmöglich. Außerdem liebe ich den direkten Kontakt zu meinen Kunden – das hat mir in meiner Arbeit vorher auch immer sehr gefehlt. Naja, und vor allem das Gefühl dass man sein eigener Boss ist – man tut das alles für sich selber und nicht damit der Chef immer mehr Geld durch einen scheffelt.

Herausforderungen am Anfang sind vor allem die Dinge, die man neu lernen muss. Für mich war das zum Beispiel wie man Rechnungen richtig aufsetzt, AGB schreibt, Buchhaltung macht und die Versicherungsgeschichten. Und um ehrlich zu sein, hab ich meine frei verfügbare Zeit zu Beginn auch nicht ganz effizient ausgenutzt – ich hätte sicher mehr arbeiten können, aber wahrscheinlich brauchte ich erst mal eine Zeit um mich einzugrooven und ganz in meinem Business anzukommen. Jetzt hab ich für mich einen Tagesablauf gefunden, bei dem ich konzentriert und effektiv nicht nur IN meinem Geschäft arbeite, sondern auch regelmäßig AN meinem Geschäft.

Die Kreativszene entwickelt sich schnell. Wie informierst du dich über Trends & Hintergründe oder bildest dich weiter?

In Sachen Selbstständigkeit habe ich viel bei den Kursen von „hannoverimpuls“ und dem „Gründerinnen Consult Hannover“ gelernt. Wir haben hier eine relativ gut aufgestellte Gründer-Szene, durch die man viel lernt und leicht den Einstieg schafft. Hier informiere ich mich regelmäßig über Seminare, die mich interessieren oder die mir noch fehlen. Auch zu verschiedenen Kongressen gehe ich gerne, zum Netzwerken und Austauschen.
Wenn es um Technik oder neue Programme usw geht, setze ich schon lange aufs Selbststudium wie z.B. über „video2brain“. Hier hab ich mir unter anderem alles über WordPress beigebracht. Ansonsten verfolge ich die bekannten Seiten wie t3n-Magazin, Creative Cloud usw.

Besonders informativ und spannend finde ich aber, wie andere Frauen ihr Leben als Selbstständige meistern. Deshalb sind zum Beispiel Edition F, Mompreneur, bizzmiss usw. unverzichtbar. Hier habe ich auch schon viel gelernt und Inspiration mitgenommen.

Coworking-Spaces, Meetups oder Social Media – Wie hältst du den kreativen Kontakt zu anderen Designern?

Mein Netzwerk zu anderen Kreativen, konzentriert sich eigentlich kaum auf Auch-Designer. Durch die Zusammenarbeit an verschiedenen Projekten mit Nicht-Designern, entstanden für mich schon viel kreativere Ergebnisse, als mit Berufskollegen. Ein gemischter Coworking-Space klingt deshalb schon sehr verlockend, da man genau diese Bewegung ausbauen könnte. Andererseits hat für mich das Homeoffice mit meinem Baby, das im September geboren wird, momentan aber mehr Vorteile. Ich versuch mich aktuell also hauptsächlich über Facebook-Gruppen und Kongresse, die ich besuche, zu vernetzen.

Welchen Tipp würdest du einem anderen Designer geben, der mit dem Gedanken spielt sich selbstständig zu machen?

Das Wichtigste zu Beginn des Gründens ist sicherlich die Angst los zu lassen, dass man scheitern könnte. Ich glaube, das hindert einen schon an dem ersten Schritt, der nötig wäre um zu starten. Hab Mut und vertrau auf dein Können. Bereite dich so gut du kannst darauf vor, was auf dich zukommt.

Sprich mit Menschen, die den Sprung schon gemacht haben und hol dir so viele Tipps wie du kriegen kannst.
Und das Wichtigste: bau dir ein Netzwerk auf! Erzähl jedem den du triffst, was du machst und bitte die Leute das weiter zu sagen. Die ersten Jobs kommen alle über Mundpropaganda und darauf baut sich dein zukünftiger Kundenstamm dann auf.

Danke für das Interview, Lena.

Das Interview wurde im Juni 2015 geführt.

Gudrun Wegener / bilderbuero / Achtung Designer
Gudrun Wegener Hi, ich bin Gudrun und Designerin aus Hamburg. Im „bilderbuero“ bin ich im Einsatz mit Stift, Maus und Herzblut für tolle Infografiken & visuelles Storytelling. Darüber wie man sich ein Design-Business aufbaut, dass einen kreativ, zufrieden und erfolgreich macht, schreibe ich hier auf „Achtung Designer“.

Kommentare:

3 Kommentare

  1. Schönes Interview über eine Kollegin. Ich war anfangs ehrlich gesagt auch erstaunt, dass es doch so viele freie Grafiker auf dem Markt gibt. Ich kannte vorher nur die großen Agenturen, aber seit ich meine Fühler ausstrecke, habe ich gar nicht mehr so das Gefühl, allein zu sein.
    Etwas schade finde ich bei vielen den Konkurrenz-Gedanken. Ich arbeite lieber im Team, jeder hat etwas zu sagen, jede Idee ist eine Inspiration. Wenn man die ganze Zeit im Kämmerlein sitzt, erfährt man so schwer neues. Gerade was News im grafischen Bereich angeht, fühle ich mich manchmal ziemlich unwissend. Plötzlich ist alles ganz anders und ganz neu, ein ganz neuer Stil ist in und über all die Illustrationen, die ich mache, habe ich wieder einen neuen Trend nur am Rande verfolgt…
    Jetzt, da ich mich aber wieder mehr mit WordPress beschäftige, bin ich froh, wieder mehr Kontakte zum Design gefunden zu haben. Illustratoren gehen ja eher nicht so mit der Zeit, sondern sind da eher Individuen. In dem Bereich zeichnen wir uns dann eben wieder durch den eigenen Stil aus.
    Die Gratwanderung zwischen allgemeinem Stil und eigenem Stil, finde ich aber oft gar nicht so leicht. Vor allem der Kontakt mit Kunden, die im Nachhinein noch viele Sachen ändern wollen, macht den Alltag schwer, finde ich. Gestaltung ist ein Handwerk wie Tapezieren oder Parkett legen. Bei Design soll immer reingeredet werden, beim Fliesenleger kommt aber keiner auf die Idee, dass er bitte die Arbeit nochmal neu machen soll, weil die Fugen 1mm zu schmal sind… – Die Kompetenz von Designern wird meiner Meinung nach nicht genügend geschätzt.
    Wie seht ihr das?
    LG
    Julia

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    • Hallo Julia,
      für mich ist es immer wieder inspirierend zu gucken, wie andere Kreative arbeiten. Wie finden sie ihre Ideen? Wie setzen sie Aufträge um? Warum und in welcher Form werden Projekte verworfen oder voran gebracht? Es ist so wichtig über den eigene Tellerrand hinaus zu blicken! In einem Angesteltenverhältnis wäre das, in dieser Vielfalt, oft gar nicht möglich.
      Das spiegelt ja auch die Erfahrungen von Lena wieder. Wenn man immer nur im gleichen kleinen Büro festsitzt, dann entwickelt man sich nicht weiter.
      Bei neuen Stilen und Trends, finde ich es gut, wenn ich sie kenne. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich sie auch gut finde und das zu mir und meinem Stil passen. Ich eigne mir an, was mich weiter bringt und lasse dieses neue Wissen in meine Arbeit einfließen. Davon profitieren auch meine Auftraggeber.
      Julia, um den ewigen Korrekturschleifen eine Riegel vorzuschieben, kannst du eine feste Anzahl von Korrekturen in dein Angebot mit aufnehmen. Alle Korrekturen die über diese Vereinbarung hinausgehen, müssen zusätzlich vergütet werden. Wenn du das so von Anfang an klar festlegst, sorgst du für Klarheit auf beiden Seiten.
      Viele Grüße,
      Gudrun

      Antworten
  2. Hi Julia,
    ich finde es auch total spannend wie andere Designer arbeiten. Deshalb finde ich auch die Idee von Gudruns Seite so toll. Hier kann man sich Tipps holen und sich austauschen und der Konkurrenzgedanke ist quasi ausgesperrt. Mich hat z.B. genau dieses Thema „Konkurrenz“ in meiner letzten Agentur auch irgendwann echt mürbe gemacht. Mit diesem Druck kreativ zu arbeiten halte ich für fast unmöglich. Und glücklich wird man damit erst recht nicht.
    Klar fehlt einem im Homeoffice der Austausch mit anderen-aber sich ab und zu mit anderen Kreativen zum Mittagessen zu treffen oder ein Meet-Up zu veranstalten gleicht das für mich persönlich aus. Auch der Kontakt über verschiedene Facebookgruppen oder Blogs ist echt hilfreich.
    Trends beobachte ich gespannt aber auch eher mit Abstand. Pinterest und Instagram sind da gute Indikatoren, wie ich finde. Oft gefällt mir was neu ist, manchmal nicht. Aber ob das dann zu meinem Kunden passt ist immer noch etwas anderes. Ich stecke meinen persönlichen Stil auch oft zurück um den Geschmack des Kunden zu treffen. Das wird bei meiner Dienstleistung aber auch erwartet.
    Wegen der Korrekturschleife kann ich Gudrun nur zustimmen! 🙂 Ich biete explizit in meinen Angeboten 3 Korrekturen inklusive an – damit kann ich den Aufwand eingrenzen. Klar, wenn dann noch mal eine kleine dazu kommt wird die auch nicht extra berechnet aber wenn es ausartet mach ich noch mal ausdrücklich auf meinen Stundenlohn aufmerksam 😉 Bisher fahre ich damit ganz gut.
    Liebe Grüße, Lena

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